Himbeerrotes Haus im Hansaviertel Himbeerrotes Haus im Hansaviertel
Foto: Roman Mensing

Architektur

#empowerment in Pink

Tatsächlich fühle es sich wie ein zweites Zuhause an, sind sich Hella Kocks (hella good), Anne Ruppert, Lucienne Bangura-Nottbeck (Les jumelles) und Sina Chakoh (Chakoh Design) einig. Dabei handelt es sich bei ihrem Raspberry Room um ihren selbst gewählten Arbeitsplatz. Für das wohnliche Gefühl spielt die Farbe des Hauses eine ebenso große Rolle wie der etwa sechs Meter lange Eichentisch, an dem die vier sich gegenübersitzen. Pink gilt nicht umsonst als Powerfarbe. Sie wirkt aktivierend und macht entscheidungsfreudig. Vielleicht haben deshalb die vier Frauen mitten in der Corona-Lockdown-Zeit den Mut aufgebracht, ein gemeinsames Büro anzumieten. „Wir hatten alle das Gefühl, dass es gut wird und sind schon jetzt belohnt worden“, ist sich Lucienne sicher.

Sie hatte die Idee dazu. Schon seit langer Zeit mit dem Architekten Kilian Kresing befreundet, sprach sie ihn ursprünglich darauf an, eine der Wohnungen im Raspberry-House als Arbeitsraum anzumieten. Schnell war aber klar, der Raum im Erdgeschoss eignet sich dafür viel besser. Die Mitstreiterinnen waren zügig gefunden. „Synergien mit anderen Frauen zu finden, ist ein Thema, das mich immer wieder antreibt“, erzählt die Kommunikationsexpertin Lucienne. Anne Ruppert, die als Coach für pädagogische Einrichtungen tätig ist, kennt sie schon seit langer Zeit. Anne und Hella sind Nachbarn und begannen die ersten Gespräche über den möglichen Arbeitsraum corona-konform vom Balkon zum Hinterhof. Mit Kommunikationsdesignerin Sina Chakoh wurde die vierte im Bunde per Aufruf im Netzwerk gefunden. „Ich habe abends eine Nachricht geschickt, dass wir noch eine Mitstreiterin suchen und morgens war schon die Antwort von Sina da: Ich bin dabei“, lacht Lucienne. Erste Synergien entstanden bereits, bevor sie im Büro einzogen. „Wir alle sind Netzwerkerinnen und kennen uns in unseren verschiedenen Arbeitsbereichen sehr gut aus“, berichtet Sina. So konnten etwa Fotografen ebenso weiterempfohlen werden wie Experten für Podcasts, die Anne Ruppert und Lucienne Bangura-Nottbeck gut kennen.

Pinke Holzfenster Foto: Roman Mensing
Die pinkfarbene Fassade ist auch innen ablesbar an den lackierten Holzfenstern. Kresings vergrößerte den Wohnraum um die frühere Balkonfläche, ablesbar an der Stütze.

Dass man sich im pinkfarbenen Haus befindet, erkennt man im Innenraum an den pinkfarbenen Holzfensterrahmen. Ein großer Spiegel erweitert optisch den hohen Raum. Weiße Fliesen an der Wand erinnern noch an die vorherige Nutzung als Imbiss. „Wir alle fanden von Anfang an den Fußboden im Schachbrettmuster toll“, erinnert sich Anne. Ansonsten war der Raum im Rohbauzustand und es brauchte Vorstellungsvermögen für das zukünftige Büro. „Für uns alle aber kein Problem!“

Pinkes Treppengeländer Foto: Roman Mensing
Wie ein abstraktes Kunstwerk wirkt das lackierte Treppengeländer. Pink wird gefeiert - bis ins letzte Detail.
Hausrückseite Foto: Roman Mensing
Für einen markanten Ausblick aus dem Raspberry House sorgt der alte Fabrikschlot am Nachbargebäude in der Lingener Straße, den auch Kresings Architekten aus ihrem Büro im Blick haben.

In den Geschossen darüber entstanden im Zuge der energetischen Sanierung des aus den 1950er Jahren stammenden Gebäudes 15 Mikroapartments mit bodentiefen Fenstern. Zusätzlichen Raum schuf der Ausbau des Spitzdaches. Die pinkfarbene Metallfassade ist der ursprünglichen Fassade vorgelagert und wird von einem Holztragwerk gehalten. Sie schließt im Bereich der früheren Balkone ab, sodass größere Wohneinheiten geschaffen werden konnten. „Die Kubatur des Hauses haben wir nur im Dach mit dem Ausbau etwas verändert, ansonsten folgt die äußere Form weiterhin den städtebaulichen Gegebenheiten des Viertels“, erläutert Architekt Kilian Kresing. Die Farbe ist für ihn neben dem metallischen Material ein Mittel, um der Sanierung eine gewissen Abstraktion zu verleihen. Sie zeigt außerdem nach außen, was im Inneren passiert: Buntes Zusammenleben, von der Rentnerin bis zur Studentin. Eine davon ist Jurastudentin Tamara, die von Dortmund aus eine neue Wohnung suchte und nun den großartigen Blick über die Dächer des Hansaviertels genießt. Was für sie außer der Lage und der Knallfarbe entscheidend war: Die Wohnungen werden mit Küche vermietet. Garten und Waschküche sind für alle Hausbewohner da und werden gern gemeinschaftlich genutzt. Nebeneinander wohnen, ohne in Kontakt zu kommen? Im Raspberry House nahezu unmöglich.

Foto:
Der etwa sechs Meter lange Eichentisch dient als Studienobjekt: „Ich wette, man könnte an den darauf stehenden Accessoires ablesen, wer wo sitzt“, lacht Anne.

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