Foto: Stadtwerke Münster/Florian Adler

Architektur

historischer
Rhenus-Kran

Aus der Hafenkulisse Münsters ist er nicht mehr wegzudenken: Der mächtige, alte Kran, der vor dem Wolfgang Borchert Theater direkt am Wasser thront und die Hafenmeile mit all ihren Restaurants stets im Blick zu haben scheint. Seit Kurzem jedoch sieht die Szenerie an der Südseite des Stadthafens etwas anders aus: Der Kran wurde einige Meter weiter in Richtung Kanal verschoben, er steht jetzt in einer Baulücke an der „B-Side“ des Stadthafens. Und: Er trägt ein neues Kleid, in Form eines Baugerüstes. Der Kran wird wieder schick gemacht – die Stadtwerke sanieren ihn im Auftrag der Stadt Münster.

„Der Kran soll als hafentypisches Objekt erhalten bleiben. Er steht zwar nicht offiziell unter Denkmalschutz, aber er ist doch ein wichtiges Industriedenkmal von Münsters Hafen“, so Florian Adler von den Stadtwerken, die Eigentümer des Krans sind. Der Hafen ist bekannt und beliebt für seinen wilden Mix aus historischen Gebäuden wie dem Hill- und dem Flechtheim-Speicher (entstanden um 1900) und modernen Gebäuden wie den schicken Büros im H7 und den Docks. Deswegen sei es der Stadt Münster ein Bedürfnis, durch die Sanierung DAS typische Hafenobjekt schlechthin zu erhalten – trägt der Kran doch einen beträchtlichen Teil zum Industriecharme des Hafenviertels bei.

Foto: Jörg Heithoff
Für die Sanierung wurde der Kran eingerüstet und um einige Meter stadtauswärts Richtung Kanal verschoben. Nach Fertigstellung der Reparaturarbeiten kommt er aber zurück an seinen Stammplatz vor dem Wolfgang Borchert Theater.

Dass der Kran so langsam einen neuen Anstrich vertragen kann, ist keine Überraschung: Ganze 60 Jahre steht er schon an seinem Platz am Hafen, 1962 gebaut von der Firma Rhenus. Diese betrieb dort bis 2007 einen Kornspeicher, und ihr verdankt der Kran auch seinen Spitznamen: Der Rhenus-Kran – der in aktiven Zeiten bis zu zehn Tonnen heben konnte, wie das alte Typenschild verrät. Münster fungierte damals hauptsächlich als Importhafen, und der Rhenus-Kran war dafür zuständig, die ankommenden Schiffe zu entladen. Zwischen den Kranbeinen konnten Züge hindurchfahren, sodass die Importgüter – neben Getreide auch verschiedene Baustoffe – direkt in wartende Eisenbahnwaggons geladen werden konnten. Und auch der alte Kohlespeicher im Rundbunker am Hafenkopf, der inzwischen von den Stadtwerken als Fernwärmespeicher genutzt wird, bekam seine Kohle durch die fleißige Arbeit des Krans geliefert. Seit der Rhenus-Speicher vor 15 Jahren geschlossen wurde, steht der Kran still. Aber obwohl er heute keine notwendigen Aufgaben mehr zu erfüllen hat, will man sich nicht von ihm verabschieden.

Foto: Archiv Stadtwerke Münster
In den Sechzigerjahren von der Firma Rhenus gebaut, war der Kran zuständig für das Verladen von Getreide, Baustoffen und Kohle. Seit 2007 steht der betagte Riese jedoch still.

Der wohl wichtigste Teil der Sanierung sei die neue Lackierung, so Florian Adler von den Stadtwerken, die Stahlkonstruktion habe immerhin schon 60 Jahre auf dem Buckel. Ein paar Reparaturarbeiten werden ebenfalls durchgeführt, dauern sollen die Sanierungsarbeiten etwa vier Monate. Für diese Zeit wurde der Kran aus Platzgründen um einige Meter stadtauswärts verschoben. Umso praktischer, weil das Wolfgang Borchert Theater dort im Hafenbecken gerade seine schwimmende Bühne aufbaut, auf der ab dem 13. Mai das Stück The Black Rider gespielt wird. Nach Abschluss der Sanierung kommt der Kran aber wieder zurück an seinen Stammplatz, bewegt wird er mit Maschinenkraft. Zwar steht er auf Schienen und konnte früher selbst fahren, aber die dafür notwendige Motorentechnik ist nicht mehr funktionsfähig und wird bei der Sanierung auch nicht wiederbelebt werden. Der Kran bleibt also still – kein Problem für uns! So kann er noch lange, lange Zeit an Ort und Stelle bleiben und seiner heutigen Aufgabe nachgehen: Der Hafenszenerie ihren unverwechselbaren Flair zu verleihen.

Foto: Archiv Stadtwerke Münster
Damals (links) und heute (unten). Während der Kran in den Sechzigerjahren noch fleißig Importgüter von ankommenden Schiffen entlud, dient er heute "nur" noch als Industriedenkmal. Missen möchte man ihn trotzdem nicht: Insbesondere in der Abenddämmerung verleiht er der Hafenszenerie eine nostalgische Industrieromantik.
Foto: Stadtwerke Münster/Peter Leßmann

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