Architektur
Neue Räume für neue Ideen im StudioPrinzipal
„Der Prinzipalmarkt war schon immer eine Herzensangelegenheit für mich“, sagt der Architekt und gebürtige Münsteraner Marco Piehl. Kein Wunder also, dass es ihn bei seinem Umzug am Prinzipalmarkt Anfang des Jahres nur ein paar Häuser weiter zog. Wenige Wochen zuvor war er auf den umfassenden Umbau im Haus des ehemaligen Kösters-Standortes aufmerksam geworden und hatte der Baustelle in früher Bauphase einen Besuch abgestattet. „Vor allem der hallenartige Bereich in der zweiten Etage beeindruckte mich. So ein Raum – mitten am Prinzipalmarkt – ist ausgesprochen ungewöhnlich. Und ‚ungewöhnlich‘ gefällt mir!“ Also machte Piehl Nägel mit Köpfen und übernahm die Fläche des zweiten Obergeschosses der Häuser mit den Nummern 45 und 46.
An seinem neuen Standort hat Marco Piehl nun mehr als doppelt so viel Fläche wie zuvor. Diesen Vorteil wollte er nicht ungenutzt lassen und entwickelte die Idee des StudioPrinzipals, in dem Köpfe verschiedener Branchen zusammenkommen. So sollen neben Architekten, Projektentwicklern und Projektsteuerern demnächst auch Fotografen, Designer und Unternehmensberater die fast 300 Quadratmeter große Fläche beleben. „Es wird eine bunte Mischung, wie eine Tüte Haribo Colorado. Ich habe mir die Nutzer bewusst ausgesucht und bin zuversichtlich, dass wir als Gemeinschaft super funktionieren“, so Piehl. Idealerweise werde der gemeinsame Werkraum zu viel Austausch und in der Folge zu Ideen und Impulsen führen, die die jeweiligen Arbeitsbereiche inspirieren und weiter entwickeln.


Damit auf dem neuen Parkett nicht jeder statisch vor sich hin arbeitet, bietet Piehl eine erfrischende, geometrisch unbestimmte Studiolandschaft an, die von den hier tätigen Akteuren bespielt werden kann. „Floating Islands“, wie Piehl sie beschreibt, zonieren die offene kommunikative Plattform. Vorhänge und flexible Stellwände ermöglichen aber auch Diskretion. „Man kann es sich vorstellen wie im Städtebau: Die einzelnen Teppiche sind Baufelder und die Freiflächen dazwischen das Äquivalent zu Straßen und Plätzen, auf denen die Menschen einander begegnen.“ Was wir außerhalb der Hauswände vorfinden, macht der Architekt also in seinem neuen Studio in kleinerem Maß stab erfahrbar. Herzstück des Studios ist unumstritten der viereinhalb Meter hohe und 60 Quadratmeter große Hallenbereich, dem Piehl den Namen Kramersaal gab. Hier ist von Konferenzen über Vorträge bis hin zu Shootings einiges möglich – auch für externe Gäste, die den Saal buchen können.

Aber die neuen Räume haben Marco Piehl nicht nur aufgrund ihrer inneren Struktur überzeugt, sondern auch mit ihrem Ausblick. „Früher fiel der Blick Tag für Tag auf die Fassade gegenüber, jetzt blicken wir in Straßenräume – sowohl in die Salzstraße als auch in den Alten Fischmarkt. Das hat eine ganz andere Tiefe und führt permanent zu sich verändernden Wahrnehmungen“, schwärmt Piehl. Die herausragende Qualität eines Studios am Prinzipalmarkt schreibt er der Lebendigkeit des Ortes zu. „Man ist ganz einfach mittendrin und trifft unglaublich viele spannende Menschen, mit denen man ins Gespräch kommt. Gleichzeitig darf man sich vom Trubel am Wochen ende nicht täuschen lassen – werktags gibt es hier auch erstaunlich ruhige Momente.“ Und genau diesen Wechsel findet der Architekt so spannend.
Von der neuen Kramersaal-Terrasse schaut Piehl auf die Dächer, auf denen vielleicht schon bald die ersten Ergebnisse seines „C!TYFARM“-Projektes zu sehen sein werden: Ein erstes Baufeld soll hier die Initialzündung für die restlichen Dachflächen auslösen. „Es wäre fantastisch, wenn wir zu den Skulptur Projekten 2027 das ganze Feld in Beschlag nehmen könnten“, er zählt Piehl. Dies sei ein für die Umsetzung realistisches Zeitfenster, zumal ein Teil der Dachbebauung dann erst einmal nur als temporäre Installation – also quasi als „urbane Übung“ – konstruiert werden könnte. Man merkt: In seinem StudioPrinzipal möchte Marco Piehl nicht nur business as usual betreiben, sondern Projekte jenseits des architektonischen Mainstreams umsetzen und den visionären Blick nach vorn wagen.
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