Wein- und Tapas-Bar Lütkes in Münster Wein- und Tapas-Bar Lütkes in Münster
Foto: Moving Movies MS

Bars & Nachtleben

etwas lütkes, 
aber feines

Eines der ältesten Fachwerkhäuser der Stadt versteckt sich in einer kleinen Gasse unweit des LWL-Museums für Kunst und Kultur. Schon vor über 450 Jahren – 1564, um genau zu sein – wurde der Baum gefällt, aus dessen Holz das Fachwerk für das Gebäude errichtet wurde. Zwei Brüder haben dem denkmalgeschützten kleinen Häuschen nun neues Leben eingehaucht. Sie eröffneten eine kleine Wein- und Tapas-Bar: Das Lütkes. Neben einer feinen Auswahl an Wein aus Deutschland und Frankreich wartet hier eine mediterrane Küche mit marokkanischen Einflüssen auf die Gäste: Wechselnde kalte und warme Vorspeisen werden aus größtenteils regionalen und saisonalen Zutaten zubereitet. Eine Karte, wie man sie aus klassischen Restaurants kennt, gibt es im Lütkes nicht: „Wir sind die Karte! Wir wollen mit den Gästen ins Gespräch kommen, ihnen erzählen, welche Weine und Gerichte wir da haben und die Bedienung ganz persönlich gestalten“, so die beiden Gründer Simo und Yassine Saidani. Dieser Ansatz zeigt, dass Gastfreundschaft im kleinen Lütkes großgeschrieben wird.

Lütkes im alten Fachwerkhaus in Münster Foto: Lotta Krüger
Eigentlich sollte das alte Fachwerkhaus renoviert werden, um darin neue Wohnungen zu erschaffen. Doch zwei Brüder aus Münster hatten eine andere Idee...
Weinauswahl im Lütkes Münster Foto: Lütkes
...und machten aus dem Häuschen eine urige Wein- und Tapas-Bar.

klein und fein, traditionell und modern

Apropos Lütkes: Der Name des neuen Lokals ist gleich im doppelten Sinne Programm: Es befindet sich in der Lütken Gasse – mitten im Herzen der Stadt und doch so versteckt, dass wohl kaum einer durch Zufall darüber stolpert. Und: Das Fachwerkhaus ist klein und schmal, „nur“ gut 40 Gäste haben Platz an den Tischen. Doch von der geringen Größe ließen sich die die beiden Gastronomen Simo und Yassine nicht abschrecken, als sie den Mietvertrag bei Architekt Andreas Deilmann unterschrieben. Aus den knapp 50 Quadratmetern machten die Brüder ein schickes und zugleich gemütliches Lokal, das trotz umfassender Umbauarbeiten den Charme des geschichtsträchtigen Fachwerkhaueses aufrechterhält. In diesem Balanceakt steckt eine Menge Arbeit: Jeden Tag waren Simo und Yassine in den letzten neun Monaten auf der Baustelle, das Design im Lütkes haben sie zu 90 Prozent eigens mit Zettel und Stift entworfen. Und das kann sich sehen lassen!

Stühle und Tische in der Wein- und Tapas-Bar Lütkes Münster Foto: Lotta Krüger
Die Tische im Lütkes können zu einer langen Tafel zusammengeschoben werden, um für noch mehr Geselligkeit zu sorgen.
Mauer mit Durchgucken im Lütkes Münster Foto: Lotta Krüger
Für die Betonmauer, die aufgrund des Denkmalschutzes bestehen bleiben musste, haben die beiden Gründer sich eine clevere Lösung ausgedacht.

Denkmalschutz als Herausforderung

Ein gepflasterter Boden, der glänzt wie eine Piazza im Süden Europas nach einem Sommerregen, bildet die erste stilistische Besonderheit im Lütkes. Durch die Pflastersteine und die großen, an warmen Abenden stets weit offenstehenden Türen entsteht das Gefühl, man säße draußen, in einem überdachten Innenhof. Die gemauerten Wände verstärken diesen Eindruck und schaffen in Kombination mit den Holzbalken des Fachwerks eine rustikale Atmosphäre. Ein echter Eyecatcher schließlich ist die Betonmauer, die den Sitzbereich räumlich von Weinregalen und Küche abtrennt. Dass die Mauer aufgrund des Denkmalschutzes bleiben musste, sahen die beiden Gründer anfangs als Problem: „Wir dachten, dass dadurch der Laden noch kleiner wirkt“, so Simo. Doch an Kreativität mangelt es den beiden zum Glück nicht. Sie integrierten die Mauer in den Tresen und entwarfen einen kreisrunden Durchguck, der nun für eine offene und zugleich designtechnisch spannende Optik sorgt.

Tresen und Stühle im Lütkes Münster Foto: Moving Movies MS
Durch Barhocker auf beiden Seiten des Tresens können Gäste (und Gastgeber!) ins Gespräch kommen.

Gar nicht so softes Soft-Opening

Nicht nur beim Umgang mit der Mauer stellte der Denkmalschutz eine große Herausforderung während der Gründungsphase dar. „Das Haus ist denkmalgeschützt hoch hundert“, erzählt Simo lachend. „Das haben wir während des Umbaus immer wieder gespürt“. Auch Lieferschwierigkeiten und Personalengpässe bei den Handwerken legten den Brüdern während der letzten Monate immer wieder Hürden in den Weg. So kam es dazu, dass Simo und Yassine das Lütkes Ende Juni bereits eröffneten, obwohl die Küche noch nicht fertig war. „Wir wollten eigentlich ‚undercover‘ aufmachen, weil noch nicht alles so war, wie wir es uns vorgestellt haben.“ Undercover – das klappte nicht ganz. Yassine erzählte nach ein paar Bier auf dem Docklands Festival einigen Freunden von der neuen Bar, und da die Brüder in Münsters Gastro-Szene keine Unbekannten sind, sprach sich die Eröffnung schnell herum. Daraus entstand ein ungeplantes Soft-Opening, das sich gewaschen hatte. „Es war der Wahnsinn, wie viele Gäste in den ersten Wochen schon gekommen sind!“, erzählt Simo strahlend. Weil die Küche noch nicht einsatzbereit war, fragten einige Besucher, ob sie sich Pizza aus den Restaurants in der Nachbarschaft holen und diese im Lütkes essen könnten. „Ein besseres Zeichen dafür, dass sie sich bei uns wohl fühlen, gibt es wohl nicht“, so Yassine.

Yassine und Simo Saidani im Lütkes Münster Foto: Moving Movies MS
Brüder und Geschäftspartner: Yassine (links) und Simo Saidani (rechts) sammelten jahrelang Erfahrungen in Münsters Gastro-Szene, bis sie sich mit dem Lütkes den Traum vom eigenen Lokal erfüllten.
Tapas im Lütkes Münster Foto: Lütkes
Zum Wein können Gäste im Lütkes kalte und warme Tapas ordern.

Der Traum vom Außenbereich

So kamen schon an den ersten Wochenenden teilweise bis zu 100 Gäste – die die beiden frischgebackenen Barbesitzer natürlich nicht nach Hause schicken wollten. Also verteilten sich die vielen Gäste im kleinen Lütkes, im noch kleineren Hinterhof und vorm Lokal in der Lütken Gasse. Einen offiziellen Außenbereich mit Sitzgelegenheiten gibt es im Lütkes leider (noch) nicht, weil dieser aufgrund des sehr schmalen Bürgersteigs nicht genehmigt wurde. „Wir würden unseren Gästen gerne die Möglichkeit geben, an schönen Sommertagen draußen vor dem schönen Haus zu sitzen und dort ihren Wein zu trinken“, so Simo. Deswegen bemühen er und sein Bruder sich weiterhin, der Stadt doch noch eine Erlaubnis für ein paar Stühle vor dem Haus abzuringen. „Das würde das Lokal und auch die Lütke Gasse noch mehr aufwerten – die Münsteraner würden es lieben!“, ist sich Simo sicher. Dass sich die Gäste schon jetzt gerne stehend auf der Straße vorm Lütkes aufhalten, ist wohl der beste Beweis dafür.

Blumen im Hinterhof im Lütkes Münster Foto: Lotta Krüger
Wenn drinnen alle Plätze belegt sind, finden ein paar Gäste noch im winzigen Hinterhof Platz.

Das Strahlen der Gäste als Antrieb

Trotz solcher Herausforderungen, mit denen man sich als Betreiber einer Bar in einem der ältesten Fachwerkhäuser der Stadt herumschlagen muss, sind Simo und Yassine überglücklich über den Start des Lütkes. Die ersten Wochen gingen zwar ganz schön an die Substanz: „Wir hatten jeden Tag bis in die Morgenstunden Gäste da, haben auch den ein- oder anderen Wein mitgetrunken und kaum geschlafen!“, so Yassine. Aber die Freude der Menschen, die sich nach einem schönen Abend bedanken oder am nächsten Tag eine begeisterte SMS schreiben, sei die beste Motivation, um morgens wieder früh aus dem Bett zu kommen – egal, wie kurz die Nacht war. „Zu sehen, wie das realisiert wird, was wir so lange geplant haben, macht alle harte Arbeit wieder mehr als gut“.

Simo Saidani im Lütkes Münster Foto: Moving Movies MS
Neben ausgewählten Weinen gibt es im Lütkes auch regionalen Schnaps von Sasse. Wie viel Spaß Simo und seinem Bruder ihre Rolle als Gastgeber macht, merken Besucher im Lütkes schnell.
Sasse Lagerkorn im Lütkes Münster Foto: Lotta Krüger

Toll, dass es kreative Macher wie Simo und Yassine gibt, die mit dem Lütkes ein uraltes Fachwerkhaus in einen urbanen Ort des Genusses und der Begegnung verwandelt haben!

Schild an der Hauswand im Lütkes Münster Foto: Lotta Krüger

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