Foto: Peter Leßmann

Menschen

DIE GESCHICHTEN-ERZäHLERIN

Als wir Inès von Patow nach besonderen Orten am Prinzipalmarkt fragen, muss sie nicht lange überlegen: „Kennt ihr schon die goldene Fuge am Rathaus? Oder den Schlafwandler?“ Hätte es an diesem Tag nicht geregnet, wären wir sicher noch länger mit Inès über den Prinzipalmarkt geschlendert, hätten noch mehr nach oben und unten geschaut. Denn ihre Begeisterung für kleine Details und die Geschichten dahinter ist ansteckend. Und dabei gefiel Inès Münster als Stadt am Anfang gar nicht, gesteht sie uns. Damals, das war vor fast 30 Jahren, kam sie gerade aus Paris und empfand die Stadt als grau. „Das Leben fand hier nicht auf der Straße statt, das habe ich sehr vermisst. Aber Münster hat sich seitdem verändert: Man findet hier jetzt viel mehr von dieser südlichen Art zu leben in der Stadt, es gibt zum Beispiel viel mehr Terrassen mit Außengastronomie und Veranstaltungen draußen.“

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Sieht aus wie ein Tennisschläger, ist aber ein Schläger für Speckbrett – eine im Münsterland beheimatete Sportart.
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"Ich mag es einfach, Geschichten zu erzählen, vielleicht kommt das von meiner Zeit als Schauspielerin am Theater", so Inés von Patow.

Auch wenn Inès in Hamburg geboren wurde, aufgewachsen ist sie italienisch, in der italienischen Schweiz im Tessin. Sie erzählt uns vom Zirkus Knie, der immer das Highlight für sie und ihre Geschwister gewesen sei, und wie sie dann auch ein Jahr die Zirkusschule in Paris besucht. Schnell musste sie dann feststellen, dass man mit 20 im Grunde zu alt ist, um eine Karriere im Zirkus zu beginnen. „Die Idee von Zirkus ist: Derjenige, der zehn Purzelbäume kann, ist besser als derjenige, der einen macht. Beim Theater dagegen kommt es darauf an ‚wie‘ du den einen Purzelbaum machst.“ So kam es, dass sie in Paris die berühmte Schauspielschule von Jacques Lecoq besuchte. Ihr erstes Engagement nahm sie dann in Düsseldorf an, kurz darauf kam sie nach Münster. Mit der Geburt ihres Sohnes hörte sie zunächst am Theater auf: „Ich habe aber schnell gemerkt, dass etwas fehlt. Ich wollte das machen, was ich liebe: vermitteln.“

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Halten Sie bei Ihrem nächsten Besuch am Prinzipalmarkt doch mal Ausschau nach dem Schlafwandler auf dem Dachfirst.

Inès hat es geschafft: Sie hat ihr Hobby zum Beruf gemacht. Neben ihrer Arbeit als freiberufliche Stadtführerin führt sie heute auch als Kunstvermittlerin im LWL-Museum für Kunst und Kultur durch ammlung und Ausstellungen. Vermitteln trifft genau den Kern ihrer Arbeit. Egal ob in Münsters Altstadt oder in den Museumsfluren – Inès möchte mit ihren Geschichten Enthusiasmus wecken, die Fantasie ihrer Zuhörerinnen und Zuhörer anregen. „Mein Ziel ist es, dass sich die Leute danach auch an etwas erinnern. Die Leute kommen zwar ins Museum, weil sie sich für die Ausstellung interessieren. Aber du musst sie trotzdem irgendwie fangen und begeistern. Bei Stadtführungen erlebe ich manchmal Münsteraner, die sagen: ‚Ich kenne alles.‘ Aber dann staunen sie doch, wenn ich ihnen manche Details zeige.“

Seit 2020 leiht sie auch dem Podcast „Foyergespräche“ des LWL-Museums für Kunst und Kultur ihre Stimme (zu hören auf der Website des Museums). Hier blickt sie hinter die Kulissen der Museumsarbeit und spricht dafür mit verschiedenen Akteuren des Museums – aufgenommen an ihrem Lieblingsort im Museum, dem Foyer. Der Podcast entstand zunächst mit ihren Kolleginnen und Kollegen während des Corona-Lockdowns, um ein bisschen Kunst und Kultur zu vermitteln. Auch nach der Wiedereröffnung des Museums wird der Podcast weitergeführt. „Mein Theaterlehrer hat immer gesagt, ich hätte eine Stimme wie eine verrostete Bratpfanne. Wenn der wüsste, dass ich jetzt einen Podcast moderiere“, lacht Inès.

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