Foto: Peter Leßmann

Draußen

Die unterschätzten Geschwister 

Man kann sie als kleine – und durchaus auch unterschätzte – Geschwister des Prinzipalmarkts bezeichnen: Den Roggenmarkt und den Drubbel in der historischen Altstadt Münsters. So kurz sind die beiden Straßenabschnitte, dass Nicht-Ur-Münsteraner sie glatt unterschlagen oder fälschlicherweise schon dem Prinzipalmarkt zuordnen könnten. Den Übergang zu diesem markiert die imposante St. Lamberti Kirche, auf die Sie von Roggenmarkt und Drubbel aus geradewegs zulaufen, wenn Sie auf dem Weg zum Prinzipalmarkt sind. Aber hey – warum halten Sie beim nächsten Stadtbummel nicht mal einige Meter vorher inne? Die kleinen Geschwister haben nämlich Großes zu bieten.

Foto: Peter Leßmann
Foto: Peter Leßmann
Die traditionellen Giebelhäuser, für die der Prinzipalmarkt berühmt ist, können auch Roggenmarkt und Drubbel aufweisen. Hochschauen lohnt sich!

Dicht gedrängt am Drubbel

Der Roggenmarkt, auf dem sich heute so manches spannendes Geschäft befindet, ist einer der ersten und ältesten Märkte der Stadt. Vermutlich bereits Mitte des 10. Jahrhunderts entstanden, bekam er seinen Namen, weil dort vornehmlich mit Roggen und anderem Getreide gehandelt wurde. Bogenförmig läuft der heutige Roggenmarkt auf die Lambertikirche zu – jedoch nicht, ohne vorher noch einmal den Namen zu wechseln, wie ein Straßenschild verrät: Drubbel, so der niedlich anmutende Name für den kurzen Abschnitt zwischen Roggen- und Prinzipalmarkt. Das Wort stammt aus dem Niederdeutschen und meint eine kleine, dichtgedrängte, haufenförmige Ansammlung – und dicht gedrängt war es am Drubbel in der Tat: Auf engstem Raum standen früher zehn Wohn- und Geschäftshäuser auf einer „Insel“ auf dem Roggenmarkt – der Umriss der damaligen kleinen Ansammlung ist heute noch immer im Straßenpflaster markiert. Die Durchfahrt für die Straßenbahn war damals nur etwa drei bis vier Meter breit, Kutschen und Fuhrwerke mussten sich rechts und links am Drubbel vorbeidrängen. Aufgrund dieses verkehrstechnischen Problems wurden die Häuser des Drubbels in den Jahren 1906 und 1907 schließlich abgerissen, um die Straßenbahntrasse ausbauen zu können.

Foto: Ansichtskarte ohne Verlagsangabe, Druck nach 1906, Privatbesitz
Bevor der die Häuser auf dem Drubbel in den Jahren 1906 und 1907 abgerissen wurden, mussten sich die Straßenbahn und andere Verkehrsteilnehmer an ihnen vorbeidrängen – was zu einigem Verkehrschaos führte.

Heute fährt schon lange keine Straßenbahn mehr über den Abschnitt Roggenmarkt und Drubbel – was ihn zu einem umso attraktiveren Bummel- und Verweilort macht. Besonders, wer auf der Suche nach schönen Dingen rund ums Wohnen ist – Dekoration, Geschirr, Geschenkideen und Einrichtung – kommt am Roggenmarkt und Drubbel auf seine Kosten. Aber auch Mode, Schuhe und Schickes für den Kleiderschrank locken in die Geschäfte. Wer vom Bummeln durstig oder hungrig wird, ist auf der gebogenen Straße vor der Lambertikirche ebenfalls gut aufgehoben: Guter Kaffee, frisches Brot und leckere Snacks sorgen für die Verpflegung.

Foto: Peter Leßmann
Mode made in Münster und ein „Feinkostladen für Schuhe“ – der Roggenmarkt lockt nicht nur mit spannender Architektur, sondern auch mit besonderen Shopping-Adressen.

Ein Paradies für Interieur-Fans

Kommen Sie von stadtauswärts auf den Roggenmarkt und werfen einen Blick in die ersten Schaufenster, merken Sie schnell: Hier wird fündig, wer ein Faible für die schönen Dinge des Lebens hat. Linker Hand wartet das Glashaus – die perfekte Adresse für Geschenkideen. Aber wer sagt eigentlich, dass man immer nur die anderen beschenken darf? Im Glashaus können Deko-Liebhaber auch sich selbst eine Freude machen – mit bunten, funkelnden, zarten, verspielten und auch mal ausgefallenen Accessoires für Küche, Bad und Wohnzimmer. Wer es klassischer mag, steuert rechter Hand The House of Villeroy & Boch an. Hier locken hochwertiges Porzellan der Traditionsmarke (Geschirr seit 1748!) und Kücheninspiration in verschiedenen Stilrichtungen. Wer nicht nur neue Deko sucht, sondern sich direkt ganz neu einrichten möchte, wechselt wieder die Straßenseite – und landet im Wohnmöbel-Showroom von BoConcept. Das dänische Einrichtungsunternehmen steht für qualitativ hochwertige Designmöbel und stilvolle Wohnideen. Perfekt, um zu stöbern, Inspiration zu sammeln und sich in Gedanken schon einmal ausmalen, wie der tolle Sessel sich im Wohnzimmer machen würde…

Foto: Dille & Kamille
Die niederländische Kette Dille & Kamille lässt Deko-Herzen höher schlagen. Der perfekte Ort, um nach Geschenken für Freunde zu stöben – oder sich einfach mal selbst eine Freude zu machen.
Foto: Peter Wattendorff
Im Wohnmöbel-Showroom von BoConcept warten stilvolle Einrichtungsideen und eine Menge Inspiration fürs eigene Heim.

Ein Haus weiter kann der der Interieur-Bummel direkt fortgeführt werden: Hier war die Freude war bei vielen Münsteranern groß, als vor Kurzem die niederländische Kette Dille & Kamille ihre zweite Filiale Deutschlands eröffnete. Der gemütlich eingerichtete Laden trumpft mit allem auf, was das Deko-Herz begehrt: Mit Tischdecken, Kerzen, Tassen, Vasen, Seifen und Vielem mehr bietet Dille & Kamille erschwingliche Accessoires für alle Zimmer des Hauses. Sogar einige Lebensmittel wie Gewürze, Honig und Süßwaren, die sich super zum Verschenken eignen (wie wär’s mit einem zusammengestellten Präsentkorb?), gibt es hier abzustauben. Ebenfalls ein Klassiker für Geschenkartikel, vor allem aber auch für Bürobedarf, ist buschmann CITY zwei Häuser weiter. Das moderne Fachgeschäft trumpft mit einer großen Auswahl an Schreibwaren, Postkarten und Papeterieartikeln auf, die auf keinem Schreibtisch fehlen sollten. Schließlich rundet der portugiesische Keramik-Store Motel a Miio am Drubbel das Paradies für Interieur-Fans ab. Handgemachtes Geschirr mit traumschönen Glasuren, bei dem jedes Stück ein Unikat ist, lässt hier den Wunsch entstehen, sich komplett mit einer der Kollektionen einzudecken. Müsli und Kaffee in Motel a Miio Geschirr sehen nämlich nicht nur ‚very instagrammable‘ aus, sondern lassen uns beim Frühstück auch vom Portugal-Urlaub träumen.

Foto: Motel a Miio
Die Qual der Deko-Wahl: Bei Motel a Miio stellt eine große Auswahl an Tassen in zarten Pastellfarben Kunden vor harte Entscheidungen.
Foto: Motel a Miio
Die portugiesische Keramik entdeckten die Motel a Miio Gründerinnen im Familienurlaub – und brachten kurzerhand eine kleine Auswahl mit nach Deutschland. Dass aus dem ursprünglichen geplanten Popup-Sale für Freunde und Familie ein Shop-Konzept mit zahlreichen Filialen werden würde, hätten sie wohl nicht gedacht!

Traditionshandwerk, Luxus-Dessous und Schuhe als Kulturprodukt

Nicht nur schöne Dinge für Haus und Wohnung, sondern auch für den Kleider- und Schuhschrank hat die Ecke Roggenmarkt/Drubbel zu bieten. Gleich am Beginn des Roggenmarktes geben die Schaufenster des Shoepassion Stores einen Einblick in sein ausgewähltes Angebot: Hochwertiges Schuhwerk – das hier als Kulturgut statt als billiges Wegwerfprodukt betrachtet wird – für verschiedene Anlässe wartet hier auf die Kunden: Ein Feinkostladen für Schuhe im 21. Jahrhundert, wie es auf der Website des Händlers heißt. Direkt nebenan wartet seit über 70 Jahren Mode made in Münster. Mersmann Design ist ein in dritter Generation geführtes Familienunternehmen, das Produkte aus Pelz, Leder, Lammfell und Co. in liebevoller Handarbeit fertigt – und auf Wunsch auch Anpassungen, Reparationen und Reinigung vornimmt. Die Spezialisten für das Traditionshandwerk legen großen Wert auf die Herkunft ihrer Materialien und haben sich weg vom reinen Pelzhaus hin zu modernen Lederjacken, Wendemänteln und Parkas mit dezentem Innenpelz entwickelt.

Foto: Martin Haas
Bei SØR Man & Woman am Roggenmarkt wartet stilvolle Kleidung in stilvollem Ambiente auf die Besucher.
Foto: Martin Haas

Wer für eine Hochzeit oder andere Festivitäten nach einem schicken Zwirn oder nach neuen Trendpieces für den Alltag sucht, wird auf der gegenüberliegenden Straßenseite fündig. Hier wartet auf 700 Quadratmetern Hirmer Große Größen mit einer umfassenden Auswahl an aktueller Herrenmode in Übergrößen. Zwei Häuser weiter können weibliche Shopperinnen in der kleinen Boutique Madeleine auf die Suche nach dem Abiball-, Trauzeuginnen- oder Hochzeitskleid gehen. Wer klassische und zeitlose Designs liebt, sollte bei SØR Man & Woman reinschauen. Der Store kommt ähnlich stilvoll daher wie seine Mode: Ein sorgfältig ausgewähltes Sortiment an Premium- und Luxusmarken laden hier dazu ein, sich inspirieren und fachkundig beraten zu lassen. Schließlich gibt es am Roggenmarkt nicht nur für oben drüber, sondern auch für unten drunter etwas Feines: Mit der Wolford Boutique wartet ein luxuriöser Strumpf- und Dessoushändler auf die Stadtbummler. Auch schicke Bodys und Bademode in aufregenden Designs mit Wiedererkennungswert bietet das österreichische Label am Roggenmarkt 1 an.

Foto: Mehmet Saripinar
In der Flotten Bohne warten Cappuccino, Croissants und Lambertiblick
Foto: Markus Höhenberger
Barısta Mehmet freut sich auf durstige Shoppende, die er mit seinen Kaffeespezialitäten wieder wach machen kann.

Kaffeespezialitäten, Belegtes und Backtradition am Drubbel

Der Genuss- und Verpflegungssektor befindet sich vor allem auf Drubbel-Höhe. Unverzichtbar hier für den Cappuccino in der Sonne (oder je nach Tageszeit im Schatten der Lambertikirche): Die Flotte Bohne. Barista Mehmet zaubert in seinem Mini-Café mit großem Außenbereich feinen Milchschaum und aromatische Crema. Selbst wenn das Wetter einmal nicht mitspielen sollte, können Shoppende hier Rast machen: Mit bunten Regeschirmen über den kleinen Tischen bringt die Flotte Bohne eine Portion Farbe in graue Regentage. Sollten die Temperaturen doch mal zu niedrig für ein Getränk an der frischen Luft sein, lässt es sich direkt gegenüber bei Liebigs am Drubbel einkehren. Hier gibt es neben Kaffee auch Wein, Sekt und einige Snacks zur Stärkung. Hungrige werden außerdem auch in der beleg’bar fündig: Frische und handgemachte Brötchen, belegte Landbrote und sogar herzhafte Pfannkuchen sorgen hier für Stärkung für die nächste Shoppingrunde – bei gutem Wetter ist die große Sonnenterrasse ein beliebter Verweil-Spot mit direktem Kirchen- und Prinzipalmarkt-Panorama.

Foto: Daniela Tepper
In der beleg'bar können sich Stadtbesucher mit belegten Brötchen und süßen Verführungen stärken.

Eher ein Nischen-Geschäft, aber für Pfeifen- und Zigarrenfans sicherlich eine interessante Adresse stellt außerdem das Fachgeschäft Tabak Träber am Drubbel dar. Neben der großen Tabakauswahl lockt hier auch eine Lounge, in der die Zigarren und Pfeifen stilecht genossen werden können – und auch für ein Begleitgetränk ist gesorgt. Wer keine Zeit zum Einkehren hat, aber noch die Zutaten für ein zünftiges Abendbrot sucht, braucht an der Ecke Roggenmarkt/Drubbel ebenfalls nicht lange zu suchen: Die Bäckerei Tollkötter – ein münstersches Traditionsunternehmen, das seit über 115 Jahren dem Bäckerhandwerk nachgeht – ist für die Qualität und Vielfalt seiner Produkte weit über Münsters Grenzen hinaus bekannt. Ob das unverwechselbare Original Hausbrot oder Besonderheiten wie ein Roggenmischbrot mit Früchten und Nüssen – nach einem Abstecher zu Tollkötter sind die köstlichen Stullen am Abendbrottisch gesichert. Auch für Aufstrich, eine Flasche Wein und alle sonstigen Lebensmittelwünsche brauchen Sie die Ecke Roggenmarkt und Drubbel neuerdings nicht mehr zu verlassen: Beim kürzlich eröffneten REWE gegenüber von Tollkötter kann direkt der Wocheneinkauf erledigt werden – praktisch auch für alle, die in der Stadt ihren Arbeitsplatz haben und nach Feierabend nicht mehr weit fahren möchten.

Foto: Peter Leßmann
Bei gutem Wetter mutet der Drubbel an wie eine italienische Piazza – inklusive Urlaubsfeeling!
Foto: Peter Leßmann
Besonders praktisch für Münsteraner, die in der Innenstadt arbeiten: Der neue Rewe am Roggenmarkt.

Der kleine Rundgang über Roggenmarkt und Drubbel macht deutlich: Die kleinen Geschwister des Prinzipalmarkts müssen sich keineswegs im Schatten des berühmten Bruders verstecken. Der geschichtsträchtige Straßenbogen in historischer Kulisse ist ebenso fester Bestandteil unserer geliebten Innenstadt wie der Prinzipalmarkt.

Foto: Heithoff & Companie

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