Foto: Daniel van Lier

Übernachten

alles, außer 08/15

Eine wilde Urwald-Tapete, zahlreiche echte Pflanzen, bunte Kissen auf zusammengewürfelten Sesseln und eine Theke aus knallig-türkisen Fliesen, die sich auch in einigen der kleinen Tischchen wiederfinden: Wer das Benami betritt, merkt schnell, dass es sich nicht so leicht in eine Schublade stecken lässt. Es ist zugleich gemütlich und stylisch, ausgefallen und harmonisch, retro und modern. Und eines ist es eindeutig nicht: 08/15. Was einige der Gäste und sogar Stammgäste des Benamis nicht wissen: Das Benami ist nicht nur ein lauschiges Café mit gutem Cappuccino und einer bemerkemswerten Kuchenauswahl, sondern auch ein Bed & Breakfast mit Übernachtungsmöglichkeit. Und man ahnt es schon: Auch die sechs Zimmer, in denen Münster-Besucher schlafen können, sind alles andere als Standard. „Individualität!“, das sagen die Betreiber Sarah Daum und Jan Husemann fast wie aus einem Munde, als es darum geht, was die Gäste am Benami am meisten zu schätzen wissen.

Neue Herausforderungen erwünscht

Sarah und Jan sind keine Unbekannten in der münsterschen Gastro-Szene. Vor vier Jahren eröffneten sie bereits das Café Magnolia im Erphoviertel, das ähnlich charmant und liebevoll gestaltet ist wie das Benami. Im Herbst 2019 jedoch wuchs die Idee, noch eine weitere Gastronomie zu eröffnen – allerdings nicht nur für Speis und Trank, sondern auch fürs Übernachten. „Im Magnolia haben wir viele Stammgäste, was auch schön ist – aber irgendwann haben wir uns nach mehr Abwechslung gesehnt. Wir wollten mehr Bewegung und waren bereit für eine neue Herausforderung“, so Jan. Da war es ein glücklicher Zufall, dass der Vermieter der Räumlichkeiten des heutigen Benamis mit der Idee eines Bed & Breakfasts inklusive Café an die beiden Gründer herantrat. Natürlich haben Sarah und Jan vor der Entscheidung noch einmal gut überlegt – „Das ist schließlich schon nochmal etwas anderes, als ein kleines Viertelcafé zu betreiben“, so Sarah. Aber dann hieß es: Wer nichts wagt, der nichts gewinnt!

Foto: Daniel van Lier
Gemusterte Tapeten, bunte Bettwäsche und einzigartige Vintage-Möbel: Die Zimmer im Benami haben die Betreiber Sarah und Jan mit viel Kreativität und Gespür für individuelles Design eingerichtet.
Foto: Sarah Daum

Dass wenige Monate nach der Entscheidung zur Gründung die Pandemie ausbrach, war zwar alles andere als optimal – Jan und Sarah nutzen die Zeit jedoch effektiv und stellten im ersten Lockdown das Café und im zweiten das Hinterhaus inklusive der sechs Zimmer fertig. Seit Mai 2021 hat das Benami nun durchgängig geöffnet und empfängt Café- und Übernachtungsgäste. Und das muss man sich so vorstellen: Im Café herrscht sieben Tage die Woche der ganz normale Tagesbetrieb – Menschen kommen zum Frühstück, Kaffee oder gemütlichen Lunch. Für die Gäste des Bed & Breakfasts ist der Caféraum zugleich der „Speisesaal“ – hier nehmen auch sie ihr Frühstück ein, um sich für den Tag in der Stadt zu stärken. Verbunden sind der vordere Café- und der hintere Wohnbereich durch einen lauschigen Innenhof, den selbstverständlich beide Parteien benutzen dürfen. Was sowohl Cafébesucher als auch Übernachtungsgäste kulinarisch erwartet: Eine leckere Auswahl an Frühstück mit Brot und Brötchen von Cibaria, frischem Käse vom Markt und selbstgemachten Aufstrichen. Auch fruchtige Porridge-Bowls, exotische Bagels, selbstgekochte Suppen und eine große, überwiegend vegane Kuchenauswahl werden im Benami serviert, wobei stets auf regionale Produkte gesetzt wird.

Foto: Franziska Köhler
Ein Café war ihnen nicht genug: Neben dem Magnolia im Erphoviertel haben Sarah und Jan mit dem Benami nicht nur eine zweite Gastronomie eröffnet, sondern sind zugleich auch in die Übernachtungsbranche eingestiegen. Mutig!

Touristen, Geschäftsreisende und ausquartierter Elternbesuch

Das Konzept, das Sarah und Jan mit dem Benami gewagt haben, geht auf: „Der Café- und Übernachtungsbetrieb ergänzen sich einfach super, die Räumlichkeiten sind wie dafür gemacht“, freut sich Jan. Durch die Kombination aus beiden Komponenten entsteht außerdem mehr Kontakt zu den Gästen – eine interessante und willkommene Abwechslung vom „normalen“ Alltagsgeschäft einer reinen Gastronomie. Wenn Übernachtungsgäste im Café einchecken und frühstücken, hält man gerne mal ein Pläuschchen und erkundigt sich, woher die Besucher kommen, oder gibt den ein oder anderen Münster-Tipp. Die Gäste sind meist Wochenendtouristen, die sich die Stadt anschauen wollen – oder aber Eltern der hiesigen Studierenden, berichten Jan und Sarah: „In der WG wollen oder können die Studenten ihre Eltern nicht beherbergen, deswegen werden sie ins Benami ausquartiert, und dann treffen sie sich morgens hier zum Frühstück“ – kein schlechter Deal! Auch Geschäftsleute steigen gelegentlich im Benami ab, ist es doch in unmittelbarer Bahnhofsnähe eine praktische Adresse für Zugreisende. Dass das Publikum bunt gemischt ist, entspricht genau dem Anspruch, den die beiden Gründer für das Benami im Sinn hatten. „Wir wollten weder auf Teufel komm raus ein hippes Café sein, aber auch nicht nur ältere Leute anziehen, sondern einfach jeden willkommen heißen – ganz egal, mit welchem Hintergrund“, so Münsteraner Jan.

Foto: Sarah Daum
Frühstück, Mittag, Kaffee und Kuchen: Im Benami bleiben auch in kulinarischer Hinsicht keine Wünsche offen. Aus frischen und regionalen Zutaten zaubern Sarah, Jan und ihr Team leckere Bagels, Porridge-Bowls, Suppen und Co.
Foto: Sarah Daum

Dass es die Zimmer im Benami nicht so aussehen wie in jeder zweiten anonymen Hotelkette und man jedem Raum die Kreativität der Besitzer anmerkt, wissen die Übernachtungsgäste sehr zu schätzen, erzählen Sarah und Jan. Nach dem Konzept für die außergewöhnliche Einrichtung und Dekoration gefragt, antworten sie: „Es gibt kein Konzept! Wir haben keine Kataloge gewälzt oder Innenarchitekten engagiert, sondern uns von unserem Gefühl und persönlichem Geschmack leiten lassen.“ Der muss ziemlich gut sein, denn jedes Zimmer – keines gleicht dem anderen – trägt eine ganz besondere Handschrift. Ohne von Anfang an einen bestimmten Stil im Kopf gehabt zu haben, kauften die beiden die erste ausgefallene Tapete – und schauten dann, welche Wandfarben, Möbel und Accessoires dazu passten. Das seien häufig Zufallskäufe gewesen, wie etwa ein Sideboard aus den 60er-Jahren, das eines der Zimmer ziert. Mit der Einrichtung des Hotels und Cafés haben sich die beiden kreativ ausgetobt, aus dem Bauch heraus entschieden und auch mal Ideen gewagt, die ihnen für das eigene Zuhause zu riskant gewesen wären. „Das war total cool: Tapeten und Wandfarben auszusuchen, bei denen man sich in der eigenen Wohnung fragen würde: Möchte ich da wirklich jeden Tag drauf schauen?“ In den Zimmern jedoch kommen die mutigen Farben und Muster bestens zur Geltung, und es besteht keine Gefahr, dass die Besucher sich nach ein paar Übernachtungen daran sattsehen.

Foto: Daniel van Lier
Dass Sarah und Jan beim Einrichten der Zimmer kein Konzept verfolgten, sieht man den Räumen nicht an. Zwar gleicht kein Zimmer dem anderen, aber alle Räume tragen die eindeutige Benami-Handschrift.
Foto: Daniel van Lier

Neue Möglichkeiten bringen neue Aufgaben

Was die beiden noch frischen Bed & Breakfast-Betreiber jedoch neben aller Freude auch feststellen mussten: Im Vergleich zu ihrem Café Magnolia erfordert das Benami mit seiner Übernachtungsmöglichkeit deutlich mehr Aufwand und Pflege. „Die Gäste bleiben oft nur für ein Nacht, was bedeutet, dass jeden Tag Betten bezogen, Wäsche gewaschen und Zimmer geputzt werden müssen. Als kleines Hotel nutzen wir ganz normale Haushaltswaschmaschinen – da häuft sich schnell mal ein großer Wäscheberg an“, so Sarah. Nachdem die beiden diese Aufgaben anfangs zu zweit stemmten, haben sie sich inzwischen Hilfe dazu geholt. Manchmal sei das Putzen aber sogar eine ganz willkommene Abwechslung vom Tagesgeschäft: „Wenn man mal einen Tag nicht so Lust drauf hat, viel zu kommunizieren, ist es eigentlich ganz nett, sich auch mal nach hinten zu verziehen, ein bisschen ‚Haushalt‘ zu machen und dabei ein Hörbuch zu hören!“. Feste Strukturen, wer von beiden wann wo arbeitet, gibt es nicht. Jan verbringt insgesamt mehr Zeit im Magnolia, Sarah ist häufiger im Benami, mittwochs und samstags gehen sie gemeinsam auf den Markt, um frischen Käse und Blumen für die Cafés zu holen. Durch Papierkram und Buchhaltung – Emails, Anfragen und Buchungen müssen zeitnahe bearbeitet werden – verbringen die beiden im Schnitt vier bis fünf Tage die Woche in den Cafés, der Rest geht für die Organisation drauf.

Foto: Sarah Daum
Den Außenbereich des Benamis wissen sowohl Cafébesucher als auch Übernachtungsgäste zu schätzen. In dem lauschigen Hinterhof sollen im Sommer außerdem kleine Konzerte und Lesungen stattfinden.
Foto: Sarah Daum
An der Theke im Benami warten neben Kaffeespezialitäten auch leckere und überwiegend vegane Kuchenvariationen.

Für die ungeliebteren Aufgaben wie Steuern und Co. werden Sarah und Jan aber spätestens dann entschädigt, wenn die Gäste ihnen erzählen, wie wohl sie sich im Benami fühlen und dass sie wiederkommen werden. „Dieses Feedback ist die tragende Kraft!“, so Jan. Und auch für ihre engagierten Mitarbeiter sind die beiden Betreiber dankbar. „Es ist super schön, wie viel tolles Personal wir haben und mit wie viel Motivation und Freude sie uns unterstützen“, ergänzt Sarah. 
Neben dem Gastro- und Übernachtungsangebot hat das Benami übrigens noch ein drittes Standbein in petto, das allerdings aufgrund der pandemiebedingten Beschränkungen gerade erst in den Startlöchern steht: Wer etwas zu feiern hat, kann das Benami als Eventlocation mieten. Für den Sommer planen Sarah und Jan außerdem Lesungen und kleinere akustische Konzerte im Innenhof – so wird das Benami einmal mehr zum Ort der Begegnung zwischen Münsteranern und Stadtbesuchern.

benami.de

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