Foto: Theresa Köhler

Menschen

ein geschenk aus klang

erschienen im MÜNSTER! Magazin No. 95 (Oktober 2020)

Lotta, Oskar und Greta – das sind nicht nur die Namen von drei Kindern, die in den letzten Jahren geboren wurden, sondern auch die Titel von drei Klavierstücken, die in dieser Zeit entstanden sind. Geschrieben wurden sie von Philipp Hermann, der als Pianist und Komponist mit seiner Freundin Mareike Urban in Münster lebt. Gemeinsam rief das junge Paar in diesem Sommer mit klangGeschenk ein neues Projekt ins Leben. Die Idee dahinter: Ein klangGeschenk ist ein individualisiertes Klavierstück, das Philipp für Neugeborene und Babys komponiert und das diese durch ihre Kindheit und darüber hinaus begleiten soll. So wie Filmhelden und -heldinnen eine Titelmelodie haben, ist ein klangGeschenk der Soundtrack für das eigene Leben.

„Lotta“, „Oskar“ und „Greta“ sind die Namen der ersten klangGeschenke, die Philipp komponierte. „Vor zwei Jahren wurde ich zum ersten Mal Onkel. Ich war völlig fasziniert, zum ersten Mal gab es ein Baby so nah in meinem Umfeld. Da wollte ich der kleinen Lotta ein Stück Musik schenken.“ So entstand das erste klangGeschenk. Als Philipps Brüder rasch nachlegten und Oskar und Greta zur Welt kamen, bekamen diese natürlich auch ihre personalisierten Klavierstücke. Und dann kam die Idee: Könnte man das nicht über die Familie hinaus anbieten, sodass auch andere Kinder ihr eigenes Lied bekommen? Nach einer Menge Planung, Brainstorming, Beratung und Namensfindung war es dann so weit: Im Mai 2020 wurde klangGeschenk offiziell gelaunched, die Marke eingetragen und das Logo geschützt.

Foto: Jesica Diehl
Eines der ersten klangGeschenke schrieb Philipp für die kleine Ida, Tochter von Bloggerin Jessica Diehl, die auf ihrem Instagram-Kanal (@jojolimanoli) über die Mutter- schaft berichtet. „Das schönste und individuellste Schlaflied, das man haben kann“, freut sich die junge Mama.
Foto: Theresa Köhler
ie lange Philipp für die Komposition eines klangGeschenkes braucht, ist unterschiedlich. Die erste Inspiration kommt aber oft schon beim Kennenlerngespräch mit den Schenkenden.

WARUM BRAUCHT EIN KIND EIN EIGENES MUSIKSTÜCK?

„Man fragt sich doch bei jeder Geburt und bei jedem Kindergeburtstag, was man schenken soll. Oft entstehen dann Verlegenheitsgeschenke, die zwar gut gemeint sind, aber nur eine begrenzte Haltbarkeit haben“, berichtet Philipp. Strampler, die nach ein paar Wochen zu klein sind, Spiele, an denen das Kind das Interesse verliert. „Aus einem klangGeschenk dagegen wächst man nicht raus. Das bleibt, und es ist etwas Einzigartiges, was nur dem Kind ganz allein gehört“, erklärt Philipps Freundin und Mitgründerin Mareike das Konzept.

Und so entsteht ein klangGeschenk: Möchte man einem Kind seinen eigenen Soundtrack schenken, bestellt man das klangGeschenk über klanggeschenk.com. Philipp meldet sich dann beim Schenkenden und vereinbart ein Telefonat. „Das ist zum Kennenlernen, damit ich einen persönlichen Anknüpfungspunkt habe. Dabei finde ich heraus, in welchem Umfeld das Kind aufwachsen wird, was die Eltern dem Kind mitgeben wollen, welche Rolle Musik bei ihnen spielt“, erzählt Philipp. Keine dieser einzelnen Infos ende in einem bestimmten Ton oder Akkord, aber es entstehe ein Gesamtgefühl, und meist komme auch direkt die erste Inspiration. Und dann wird komponiert. Wie lange Philipp dafür braucht, variiert je nachdem, wie viel drum herum los ist. klangGeschenk ist nämlich nicht sein einziges Projekt.

Foto: Jana Hofmann
Die ersten Ideen dürfen noch gekritzelt werden, später bei der Fertigstellung des gerahmten Notenblatts muss dagegen alles sitzen. „Da schwitze ich immer Blut und Wasser“, erzählt Philipp lachend.

KLANGGESCHENK IST EINE HERZENSANGELEGENHEIT

Philipp ist selbstständiger Musiker. Nach dem Abitur und einem Freiwilligen Sozialen Jahr in seiner Heimatstadt Dresden studierte er in Kanada Jazz-Klavier. Anschließend begann der 31-Jährige, in Erfurt Klavierunterricht zu geben, wo er auch Mareike kennenlernte – sie war seine Schülerin. Nebenbei spielte er auf Veranstaltungen wie Firmenfeiern und Hochzeiten. Und schließlich entstand sein erstes Soloprojekt: Er veröffentlichte ein Album und eine Single mit Eigenkompositionen. Auch in diesem Jahr erscheinen weitere Singles, und 2020 wäre er Philipp eigentlich zum ersten Mal auf Tour gegangen, hätte nicht Corona ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Klavierunterricht gibt er noch immer an der Uni Erfurt, aber seine Herzensangelegenheiten sind das Soloprojekt und klangGeschenk.

Wenn ein klangGeschenk fertig ist, wird es aufgenommen, die erste Seite Noten per Hand auf- geschrieben und gerahmt. „Nur eine Audiodatei per E-Mail zu verschenken, wäre etwas unfeierlich“, lacht Philipp. Mit den gerahmten Noten hat man etwas, was man übergeben kann, eine visuelle Erinnerung an das Stück. Vom ersten Kennenlerngespräch bis zur Übergabe des fertigen Stückes vergehen meist ein bis zwei Monate. Das Stück solle ja auch reifen und wachsen, so Philipp. Trotzdem besteht für Eilige auch die Möglichkeit, einen schnelleren Durchlauf zu buchen. Gibt es aber nicht auch mal Phasen, wo ihm einfach nichts einfallen mag? „Blockaden können immer vorkommen, aber in der Regel funktioniert das ganz gut. Irgendwann nach dem Telefonat mit den Schenkern habe ich einen Aha-Moment, und ab da kann ich darauf vertrauen, dass die Idee sich weiterentwickelt.“

Foto: Theresa Köhler
Mareike und Philipp lernten sich beim Klavieruntericht kennen: Sie war seine Schülerin. Mit klangGeschenk gehen sie erstmals auch beruflich gemeisame Wege.

BERUFLICH UND PRIVAT EIN DREAMTEAM

Und es scheint zu funktionieren. Mareike findet: „Wenn man die beschenkten Kinder dann sieht, passt das Lied irgendwie immer total zu ihnen!“ Die 24-Jährige, die in Münster Strategische Kom- munikation studierte, kümmert sich um den Auftritt in den sozialen Medien, um die Website und um alles Gestalterische – sie entwarf auch das Logo von klangGeschenk. „Aktionen, Umfragen, Illustrationen und der Austausch mit den Schwangeren und Mamis auf Instagram machen mir total Spaß“, erzählt Mareike begeistert. Mit ihrer visuellen Kreativität hat sie Philipp etwas voraus: „Wenn ich den Instagram-Kanal machen würde, würde sich das keiner angucken wollen“, lacht dieser. Eine weitere Aufgabe von Mareike ist die Abnahme des fertigen klangGeschenkes, bevor es aufgenommen wird. Da werden noch einmal einzelne Töne hinterfragt oder Feinheiten ergänzt, aber meist gibt es wenig zu meckern. „Dass wir zusammen wohnen und jetzt auch beruflich zusammenarbeiten, klappt erstaunlich gut“, resümieren die beiden.

Und wie kommen die klangGeschenke an? Das Feedback sei wunderbar, so Mareike. „Zu hören, was das Stück mit den Schenkenden – egal ob Eltern, Tanten, Onkel oder Großeltern – macht und wie das Kind reagiert, ist einfach schön!“ Während anfangs nur Familienmitglieder in den Genuss eines klangGeschenkes kamen, sind inzwischen auch Fremde darauf aufmerksam ge- worden. Die Idee spricht sich herum. So gibt es neben „Lotta“, „Oskar“ und „Greta“ inzwischen etwa auch Kompositionen mit den Namen „Ida“, „Leo“ und „Henri“-Melodien, die die kleinen Helden durchs Leben begleiten werden. Und ein Geschenk, aus dem sie ganz bestimmt nicht herauswachsen.

klanggeschenk.com

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