Foto: unlikeany

Menschen

MIT EIN PAAR SWIPES ZUM GLüCK

Zuerst erschienen im MÜNSTER! Magazin #113 (Mai 2022).

„Keine Dating-App. Eine Bewegung.“ So lautet der hoch motivierte Slogan von "unlikeany", einer neu erschienenen Dating-App made in Münster. Dahinter stecken Felix Baur und seine zwei, wie es im modernen Branchenjargon heißt, „Co-Founder“ Philipp Reiter und Maurice Straube, die seit über einem Jahr an ihrem Produkt tüfteln. Ihr Ziel: Besser zu sein, als die anderen App-Anbieter um nachhaltigere, bessere Beziehungen zu schaffen. Wir haben uns gefragt: Wie können wir Menschen zusammenbringen, die gut zusammenpassen?“ beschreibt Felix Baur den ersten Gedankengang zu ihrem Start-up, das den Dating-Markt revolutionieren soll. Doch bis es zum fertigen Produkt auf den Handys von über 1000 NutzerInnen gekommen ist, war es ein langer Weg. „Ursprünglich wollten wir einen Sprachassistenten entwickeln, der die soziale Teilhabe von SeniorInnen verbessern soll“, beschreibt Baur die ursprüngliche Idee. „Recht schnell hat sich jedoch herausgestellt, dass die technischen und finanziellen Eintrittsbarrieren in diesem Bereich zu hoch sind. Wir waren aber von der Idee überzeugt etwas mit gesellschaftlichem Impact schaffen zu wollen“, so Baur.

Die Vision stand – es ging ans Eingemachte. Denn um eine App bereitstellen und entwickeln zu können, braucht es neben Kreativität auch Geld. Lange finanziert sich das Start-up aus Privatmitteln, doch für den nächsten großen Schritt braucht es mehr finanzielle Ressourcen. „Wir haben unsere Netzwerke bemüht und ein bisschen Kaltaquise betrieben, bis wir für die erste Finanzierungsrunde oversubscribed waren, das heißt: Wir hatten mehr Anfragen bekommen, als wir brauchten“, so Baur. Dadurch konnte das Start-up aus den Geldgebern die Personen rauspicken, die das Start-up am effektivsten beraten können. Mit Erfolg: Unter den InvestorInnen befand sich ein ehemaliger Geschäftsführer einer der größten Dating-Plattformen Europas. „Das war für uns natürlich besonders stark. So konnten wir mit jeder Menge Know-how und einem guten Set-Up an unserer Idee arbeiten.“


Mittlerweile arbeiten elf Menschen an der Vision einer besseren Dating-App. „Damit sind wir wohl prozentual das am schnellsten wachsende Start-up Münsters“, sagt Baur mit einem Augenzwinkern. Doch nicht nur in puncto Mitarbeitenden ist die App gewachsen. Seit dem Launch am Valentinstag, bzw. einen Tag vor dem "Single Awareness Day", verzeichnete die App über 1000 Anmeldungen, nicht zuletzt durch punktuelles Marketing, wie Baur beschreibt. „Wir haben uns zum Start in Münster einige Aktionen überlegt. Beispielsweise haben wir den Schriftzug „Just Single“ sowie einige leere Blechdosen an einem Tandem angebracht und jemanden damit demonstrativ alleine in der Stadt herumfahren lassen. Zudem haben wir Grußkarten und Luftballons an 400 WGs verteilt sowie Marketingkooperationen mit anderen lokalen Münsteraner Start-ups wie etwa liba gestartet“.

Foto: unlikeany
Mit knalligen Farben und pfiffigen Slogans macht die Dating-App unlikeany auf sich aufmerksam – wie hier mit Pullis und Pappschildern.
Foto: unlikeany

Dann hieß es für die interessierten Neu-User loszulegen. Was vielen als erstes auffiel: unlikeany unterscheidet sich stark von den bekannten Apps. Statt eines ganzen Profils mit Fotos und vielleicht zwei Sätzen, sehen die User nur Bruchstücke von ihrem potentiellen Match. Dies soll keine Geheimniskrämerei sein, erklärt Baur. „Wir möchten mehr Facetten der Persönlichkeit präsentieren. Denn, sind wir mal ehrlich, geht es in funktionierenden Partnerschaften doch um mehr als das Aussehen“, erzählt der Jungunternehmer ohne den kritischen Blick zu verlieren. „Das unterscheidet uns von anderen Apps“. Die einzelnen Profilelemente umfassen dabei Hobbies, Weltanschauungen oder einfach die Frage nach dem Lieblingsfilm. Statt auf Like zu drücken, können User dann in fünf Stufen – von einem starken Dislike bis zu einem starken Like – angeben, wie sehr sie die Info des unsichtbaren Gegenübers begeistert. „Wir nehmen die Oberflächlichkeit aus der Entscheidung raus“, erzählt Baur. „Dabei lernt die App im Hintergrund mehr über dich und kann individuell andere Menschen vorschlagen, die wir für passend halten“. Doch Vorsicht, anders als bei den bekannten Dating-Apps wird kein schlecht funktionierender Algorithmus als Marketing-Gag gefeiert. Dagegen wehrt sich Baur entschieden. „Die gängigen Plattformen verdienen mehr Geld, je länger ihre NutzerInnen Single sind und haben gar kein Interesse zu helfen. Das ist bei uns anders“. Die Möglichkeit für neue, intensivere Beziehungen hat das Start-up-Team aus Münster geschaffen, nun liegt es an den Usern ihr passendes Gegenüber zu finden.

Foto: David Thiel
Datingrevolutionäre in weißen Shirts: Maurice Straube, Felix Baur und Phillip Reiter (v.l.n.r.) wollen den Dating-App-Markt kräftig umkrempeln.

Ein ähnliches Ziel verfolgen auch die jungen Start-up-Gründer der App "SipTogether" aus Karlsruhe. Der Gedanke war schnell gefasst: „Eine App, die Menschen in Uni-Städten miteinander verbindet, die gemeinsame Interessen haben und die sich für gemeinsame Aktivitäten vernetzen können“, erklärt Lorenz Kopp, der seit einem Jahr Teil des App-Teams ist und seinen neuen Chef auf einer Gründerveranstaltung kennengelernt hat. Dabei soll es aber nicht um die große Liebe gehen, sondern darum, Anschluss zu finden. „Jeder wird es kennen, wenn man in eine fremde Stadt kommt. Veranstaltungskalender zu durchforsten ist lästig und neue, kontaktfreudige Leute kennenzulernen ist schwierig. Mit unserer App wollen wir das Ganze vereinfachen“, so der Karlsruher Student. 

Bei SipTogether können Interessierte über eine in der App integrierte Karte sehen, welche Events in der Nähe stattfinden und wer daran teilnimmt. Das kann vom einfachen Feierabendbier im Park bis zu einer großen Party natürlich alles sein. Wer nun Lust hat an einem Event teilzunehmen, kann eine Anfrage an die Veranstalter schicken. Wird die Anfrage angenommen, öffnet sich eine Chatfunktion, in der die letzten Details geklärt werden können. So soll das Ganze noch sicherer gestaltet werden. Bis es zum ersten Treffen durch SipTogether kam, arbeitete das mittlerweile zehnköpfige Team fast anderthalb Jahre an der Vision – neben dem Studium. „Wir haben samstagmorgens ein Meeting, in dem die wichtigsten Arbeitsergebnisse zusammengefasst und neue Aufgaben verteilt werden. Da unser Team über ganz Deutschland verteilt ist, machen wir das in Videokonferenzen“, erklärt Kopp und erklärt auch, warum die Veröffentlichung letztendlich so lange gedauert hat. „Wir haben unseren Release extra sehr lange herausgezögert, damit wir eine App vorstellen können, die gut funktioniert. Und natürlich kam auch noch Corona dazu“, so Kopp. Als die App-Entwickler gerade eine erfolgreiche Beta-Phase mit 300 Usern in Stuttgart abgeschlossen hatte, fegte die dritte Welle der Pandemie über das Land. „Auch wenn es sehr ärgerlich war, hat es uns natürlich auch geholfen nochmal alles auf den Prüfstand zu stellen.“

Foto: SipTogether
Auch das Karlsruher Start-up SipTogether möchte den Münsteraner Markt erobern. Fehlt nur noch der Sandstrand am Aasee.
Foto: SipTogether

Mit frischem Wind begann der große Release in Karlsruhe und Mannheim, fernab vom neuen Firmensitz in Köln und noch ohne Investor in der Hinterhand. Nun soll der nächste Schritt, mit einem beratenden Geldgeber an der Seite, in Münster gewagt werden, denn mit 80.000 Studierenden sehen die App-Gründer hier eine große Zielgruppe in einem Schmelztiegel vieler verschiedener Menschen aus allen Ecken des Landes, die Anschluss suchen. Passend zum Start des Sommersemesters tritt SipTogether in Münster auf – mit jeder Menge Elan. Ende März veranstaltete das App-Team am Aasee erste kleine Events. Mir dabei: ein Beerpong-Tisch und ein paar Getränke. Seitdem melden sich täglich neue MünsteranerInnen auf der App an. Lorenz Kopp zeigt sich mit den Anfängen bereits sehr zufrieden. „Um den Stein ins Rollen zu bringen haben wir natürlich die ersten Events selbst erstellt. Aber bereits nach ein paar Tagen haben Leute ihre eigenen Events erstellt. Das finde ich richtig cool!“, so Kopp. 


Welchen dauerhaften Erfolg die beiden Apps in Münster feiern werden, wissen beide Verantwortlichen natürlich noch nicht – optimistisch sind sie aber. Gerade durch die Pandemie und damit immer einhergehenden Kontaktbeschränkungen haben Münsters StudentInnen aber einiges aufzuholen, was Partys und die große Liebe angeht.

unlikeany.app

siptogether.app

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