Emma und Gustav
Foto: Cornelia Höchstetter

Zu Fuß

Emma und Gustav auf Zeitreise um Darup

Zuerst erschienen im MÜNSTER! Magazin #108 (Dezember 2021).

Karte Foto: Cornelia Höchstetter
Durch Darup und um Darup herum führt der Schulwanderweg, dem Familie Leszinski mit Emma und Gustav und der Kuckuckskarte folgen.
Sandsteinhaus Foto: Cornelia Höchstetter

Kalksandstein – das wissen jetzt Gustav, acht Jahre alt, und Emma, fünf Jahre alt – wird in den Baumbergen abgebaut. Deshalb sind in Darup bei Nottuln auch so viele Häuser und Höfe mit gelbbeigem Sandstein errichtet. Weil Gustav schon in der dritten Klasse ist und Emma erst im kommenden Jahr eingeschult wird, ist er der Schriftführer. „KALKSANDSTEIN“ trägt er mit Druckbuchstaben in die Karte ein.

Im Wald Foto: Cornelia Höchstetter

DER ERSTE SCHULWANDERWEG 

Die Karte in Gustavs Händen ist die „Kuckuckskarte“. Die gehört zum Buch und den Hörstationen mit dem Titel „Die kaputte Kuckucksuhr – eine Zeitreise durch Darup“. In Darup gibt es seit dem Sommer den ersten Schulwanderweg im Münsterland. Karolin, Dirk, Gustav und Emma Leszinski aus Hiltrup haben die Familientauglichkeit der knapp sieben Kilometer getestet. Der Wanderweg selbst ist länger schon als „D1“ bekannt. Auf dessen Wegeführung haben sich die Wanderexperten des Heimatbundes mit dem Naturschutzzentrum Kreis Coesfeld e. V. (Alter Hof Schoppmann), dem Biologischen Zentrum Kreis Coesfeld e. V. in Lüdinghausen, dem Heimatverein Darup e. V. sowie mit der Touristik zusammengetan und den Schulwanderweg realisiert.

Pause Foto: Cornelia Höchstetter
Abwechslungsreich ist der Schulwanderweg „D1“, der über Wald-, Wiesen- und Asphaltwege führt, und zur Waldkapelle oder zur Daruper Kirche (links.). Immer wieder geht es bergauf. Der Lohn ist ein Weitblick ins Münsterland.
Waldkapelle Foto: Cornelia Höchstetter

11 ORTE, 11 FRAGEN 

Die Entdeckerkarte sorgt nicht nur für die grobe Orientierung, sondern enthält auch elf Stationen mit Fragen. Immer geht es um den Vergleich „Darup – heute und damals“, weil die Hauptfiguren im Buch während der Reparatur einer kaputten Kuckucksuhr in eine Zeitreise versetzt werden. Aus der Geschichte und den Antworten der elf Fragen ergibt sich ein Lösungssatz – den wir natürlich nicht verraten! Am Startpunkt auf dem Alten Hof Schoppmann finden Emma und Gustav die nachgefragte Minze ziemlich schnell im Kräutergarten. Die Frage mit dem Sandstein hängt mit dem großen Ammoniten zusammen, den Emma und Gustav einige Häuser weiter in der Sandsteinfassade entdecken. Aus Sandstein ist der spätgotische Bau der Pfarrkirche Ss. Fabian und Sebastian. Am Altar hängt ein uraltes Bild, das für die Kuckuckskarte auch eine wichtige Rolle spielt.

Wanderung Foto: Cornelia Höchstetter

ÜBERFALL! ROBIN HOOD IN DARUP 

Hinter dem Ort kommt das Wandergefühl auf. Emma und Gustav staunen über die Kreativgärten von Darup. Eine Bürgerinitiative hat sie 2012 geschaffen: Bachblütengarten, Meditationsorte, Obst- und Gemüsegarten, Kunst aus Holz. Noch abenteuerlicher wird es auf dem alten Postweg. Der ist für Papa Dirk Leszinski der schönste Abschnitt der Wanderung. Der Hohlweg war ein Teil der Verbindung des Postweges von Münster ins niederländische Deventer. Mama Karo und Emma kraxeln einen Seitenweg oberhalb des Hohlwegs entlang. „Den Weg der Diebe“, mutmaßen wir, denn wo eine Postkutsche fährt, sind Postkutschenräuber nicht weit. Und weil wir am Vormittag noch ganz allein unterwegs sind, stellen wir mit Gebrüll einen solchen Überfall nach und spielen selbst „Zeitreise“. Für die schaurig schöne Atmosphäre sorgen die Fratzen, die Peter Bolle in die Baumstümpfe hineingeschnitzt hat. Gut, dass die Sonne scheint und wir schnell die Waldkapelle erreichen.

In der Waldkapelle Foto: Cornelia Höchstetter
Wanderung Foto: Cornelia Höchstetter

DIE KOLPINGFAMILIE UND DIE KAPELLE 

Was machen wir hier zuerst? Brotzeit auf der Bank unter den hohen Buchenstämmen? Oder die Waldkapelle besichtigen? Die gehört zu Gustavs Highlights des Schulwanderweges. Ihm gefällt: „ ... dass man an der Waldkapelle die Glocken vorsichtig selbst läuten konnte!“ Tatsächlich – draußen auf der Brotzeitbank hört man die hellen Glocken scheppern. Mal leiser, mal lauter, je nachdem, wie kräftig Gustav das Seil in der Kapelle zieht. Die Daruper Waldkapelle wurde schon 1754 gebaut und sollte das Barockkreuz im Inneren schützen, das als „Gnadenstätte und wundertätiges Kreuz das Ziel vieler Wallfahrten und Prozessionen ist“. So steht es auf einer Bronzetafel. Den Weg zur Kapelle pflegen die Aktiven der Kolpingsfamilie: „Damit die Besucher den alten Postweg in seiner ursprünglichen Form genießen können.“

Wanderung Foto: Cornelia Höchstetter
Foto: Cornelia Höchstetter

FERNSEHEN – GANZ ANALOG 

Weiter geht’s und zwar bergauf: Die Windräder an den großen Wiesen erinnern an die Tradition der alten Windmühlen in den Baumbergen. Prächtige Sandsteinhöfe lassen immer wieder staunen. Wenn sich dann noch verblühte Rosen um rote Ziegeldächer der Hofkapelle ranken, fühlt man sich versetzt ins Rosamunde-Pilcher-Land. Der Schulwanderweg ist nicht nur eine Zeitreise für die Kleinen, sondern auch fast ein kleiner Urlaub für die Großen. Mit Fernblick: Weil die Wanderstrecke auf die Höhen rund um Darup führt, hat man immer wieder einen Wahnsinns-Ausblick auf das Münsterland. Heute ist das Wetter gut und die Fernsicht hervorragend. In Richtung Süden erblicken wir den Höhenzug des Haarstrangs, den Anfang des Ruhrgebiets und einige Kühltürme. Fast vergessen sind die Fragen, die auf der Kuckuckskarte noch offen sind. Das Smartphone mit den Hörgeschichten bleibt im Rucksack. Wir wandern analog und spüren die Natur. Gustav geht sogar auf Tuchfühlung: „Mir hat am allerallerbesten gefallen …“, sagt er und holt tief Luft: „Wie ich mich auf den Bauch gelegt habe und den Wiesenweg zum Honigbach ’runtergekugelt bin!“ Jetzt weiß Mama Karo auch, warum die Jacke so dreckig ist. Und die Kinder so glücklich. Wandern macht Spaß!

Eine Zeitreise auf 7 Kilometern

Ausgangs- und Zielpunkt: Alter Hof Schoppmann, Am Hagenbach 11, 48301 Nottuln-Darup. Der Weg "D1" ist an der Weggabelung gegenüber dem Café und nahe dem öffentlichen Bücherschrank ausgeschildert. 

Länge: 7 Kilometer Reine Gehzeit: Zwei Stunden ca., aber mit den vielen Pausen und Erzählungen muss man mehr Zeit einplanen. 

Höhenunterschied: Darup liegt auf 100 Höhenmetern, und die Tour geht mindestens zweimal auf fast 160 Höhenmeter hoch. Markierte Wanderwege: Der Schulwanderweg folgt dem ausgeschilderten „D1“.

Karte "Daruper Wanderweg"

Foto: Heithoff & Companie

Darup früher und Darup heute – das ist der rote Faden des Schulwanderwegs, wenn man der Geschichte aus dem Büchlein „Die kaputte Kuckucksuhr“ folgt. Man kann den Weg aber auch ohne Geschichten wandern – auch schön, aber nicht ganz so spannend. Der Start ist beim Alten Hof Schoppmann (1) , dort ist der „D1“ ausgeschildert. Es geht durch den Ort, vorbei an der Kirche Ss. Fabian und Sebastian (2). Der Coesfelder Straße folgend, am Friedhof und an den Kreativgärten (3) vorbei, die Umgehungsstraße unterqueren und sich halblinks an den „Postweg“ (4) halten. Der Hohlweg führt zur Waldkapelle (5) , wenn man sie von unten sieht, die nächste Möglichkeit rechts abbiegen. Nach der Besichtigung zurück zum Hohlweg und der Fortführung des Weges folgen. Die Schotterstraße queren, auf die Beschilderung achten und leicht bergauf zur Autostraße gehen. Dann rechts – und Achtung beim Überqueren der B525! Nach der Überquerung kurz rechts, dann hinter der Bushaltestelle links, die asphaltierte Straße auf dem nächsten Weg links verlassen und um einen Bauernhof links herumgehen. Auf einem Wiesenweg geht’s jetzt bergab zum Honigbach (6) , über die „geländerfreie“ Brücke weiter zur Straße, die nach Hastehausen (7) führt. Bald knickt die Straße nach rechts und dann wieder nach links. Hier (8) gäbe es eine Abkürzung direkt nach Darup zurück – für alle, die müde sind: hoch auf die Kuppe und dann runter in den Ort. Alle anderen gehen noch ein Stück weiter auf der Höhe und dann rechts auf einem Wiesenweg erst bergab, dann wieder hoch, nach der Baumgruppe links und bald rechts. Man kommt oberhalb der Reitanlage Terbrack (9) raus, die wird rechts umrundet. Darup ist nun im Blick, der Wegweiser führt zum Alten Hof Schoppmann zurück.

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