Manakish Manakish
Foto: elbén

Restaurants

Zwei Herzen, mein Zuhause - gelungene Integration

Integration schmeckt. Sehr gut sogar! Das haben bereits die Fußballfans, die im Sommer 2016 die EM beim Rudelgucken auf dem Gelände der Robert Kortenbrede GmbH in Münster-Nienberge verfolgt haben, gespürt. Sie konnten sich damals nicht nur mit „guter deutscher Stadionwurst“, sondern auch mit köstlichem syrischen Manakish verpflegen. Einer Art Teigfladen mit Belag, hergestellt und serviert von geflüchteten Menschen aus Syrien.

Dass diese für münstersche Fußballfans exotische Speise es auf den Imbissplan der Eventserie geschafft hat, ist Michael Kortenbrede zu verdanken, dem soziale Themen sehr am Herzen liegen. Der Student im Bereich Multimedia-, Kommunikations- und Marktmanagement organisierte das Rudelgucken am elterlichen Betrieb – Abend für Abend kamen 400 bis 800 Gäste zu Fußballübertragung und Begegnung. „Über Pommes und Bratwurst spricht nachher keiner, über das exotische Manakish schon, und das ist gut so“, freut sich Kortenbrede.

Zwei Herzen

elbén (syrisch-arabisch für „zwei Herzen“) hat sich inzwischen in Münster schon zart und Schritt für Schritt etabliert, verbindet syrische und deutsche Herzen auf kulinarischem Wege und bietet aus Syrien geflüchteten Menschen eine neue Perspektive. „Arbeit ermöglicht Unabhängigkeit und erleichtert Integration. Essen verbindet Kulturen und schafft Begegnung“, weiß Jura-Student Nedal Georges, dessen Familie bereits vor 30 Jahren aus Syrien nach Deutschland kam und der der Initiator und heute so etwas wie die Schaltstelle des deutsch-syrischen Projekts ist.

Team von elbén Foto: elbén
Die gemeinsame Arbeit macht dem elbén-Team Freude. Hier Rami Eilla, Basel Almohamad, Mahmoud Bahri und Mohammad Aljassim im Foodtruck auf dem Überwasserkirchplatz.

Und es geht um mehr als nur um Nahrungsaufnahme vor der und einen Job hinter der elbén-Theke: Es geht auch um Tagesstruktur und das Senken von Barrieren, um Kommunikation und Begegnung. So ist Manakish nicht nur eine Speise, sondern Kulturvermittler – übrigens auch in vegetarischer und sogar veganer Variation. Statt „Fast Food“ bietet das Team elbén lieber „Fast Good“. Von den Erlösen werden die geflüchteten Menschen aus Syrien für ihre Arbeit bezahlt. Und sollte es über kurz oder lang Überschüsse geben, werden diese in soziale Projekte in Syrien fließen. Alle Freiwilligen im münsterschen Team gestalten elbén sowieso ehrenamtlich und ohne Bezahlung mit, es ist ihnen eine Freude – die Deutschen und die Syrer sind Freunde geworden.

Schon bald konnte elbén neben der Arbeit mit dem Foodtruck bereits den stationären Handel ausprobieren: Als die kleine Eisdiele Il Gelato an der Universitätsstraße (idealer Standort zwischen all den Studenten und nahe der Innenstadt!) in die Winterpause ging, buken Mahmoud Bahri, Basel Almohamad, Rami Eilla, Mohammad Aljassim (die alle übrigens parallel in Deutschkursen unsere Sprache pauken) und ihre syrischen und deutschen Freunde ihre Teigfladen in einem „richtigen Laden“. In der Scharnhorststraße hat das Team ein Bistro eröffnet.  Es war nicht ganz einfach, so etwas zu finden. Vermieter äußern durchaus auch mal pauschal, sie wollten „nicht noch eine Dönerbude“, oder zweifeln am langfristigen Erfolg des Projekts. Ganz unkompliziert hingegen haben die Verantwortlichen der katholischen Kirche gehandelt, als es um die Stellplätze für den Foodtruck auf den Kirchplätzen Liebfrauen-Überwasser (mittwochs) und St. Josef (freitags) ging. Sie bewilligten diese. Kostenlos. Als Willkommen. Einfach klasse – Idee verstanden!

ELBÉN UNTERWEGS

Der elbén Foodtruck ist jeweils ab 11.30 Uhr mittwochs auf dem Überwasserkirchplatz und freitags auf dem Josefskirchplatz zu finden. Individuelle Buchungen, etwa für StreetFood-Festivals, Betriebs- und Straßenfeste, sind (gerne!) möglich. Kontakt über Bianca Müller (event@elben-ms.de).

Foto: elbén

Syrische Küche

In Syrien leben viele verschiedene Völker zusammen, die Küche ist repräsentativ für die kulturelle Mischung des Mittleren Ostens. Syrische Speisen sind raffiniert und in der Regel sehr gesund, da der Fokus auf verschiedensten Gemüsesorten und bei der Verwendung von Fleisch nur auf mageren Sorten liegt. In Syrien wird täglich frisch eingekauft und gekocht, am liebsten auf einem der vielen Märkte. Dort findet man Obst und Gemüse der Saison, aber auch Fleisch und frisches Brot. Tiefgekühlte Lebensmittel sucht man in Syrien auch in den Supermärkten vergeblich, auf Frische und Regionalität wird viel Wert gelegt. Die Rezepte und Mischungsverhältnisse für die markanten Gewürzmischungen (auch die für die elbén-Manakish!) werden innerhalb der Familien weitergegeben und zu Geheimrezepten für unnachahmliche Geschmacksnuancen. Von Gästen wird erwartet, dass sie reichlich zulangen – wer am Tisch syrischer Gastgeber wenig isst, wird unter Umständen nicht als höflich, sondern eher als beleidigend angesehen. Da die syrische Küche wirklich extrem vielfältig und lecker ist, dürfte das kein Problem sein ...

MANAKISH

Manakish ist die arabische Variante von Pizza, allerdings ohne Tomatensauce. Gegessen werden Manakish in Syrien zu jeder Tageszeit. Typisch sind Beläge mit Hackfleisch, Käse und vor allem mit einer Kräutermischung namens Zatar, in der ein säuerliches Gewürz namens Sumak, Thymian oder lokale Majoran-Sorten und Sesam eine besondere Rolle spielen. Manakish werden nach dem Backen handlich und praktisch zum Reinbeißen geklappt und schmecken köstlich! Die Münster Urban-Redaktion hat sie natürlich schon probiert.

Foto: elbén

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