Campusgarten GrüneBeete Campusgarten GrüneBeete
Foto: GrüneBeete e.V.

Draußen

EIN GARTEN
FüR KREATIVITäT

erschienen im MÜNSTER! Magazin No. 114 (Juni 2022)

Beethoven, Mr. Bean, Peter S. Ilie: Dass der Campusgarten ein kreativer Ort ist, wird auf den ersten Blick klar. Kopfsalat, Kohlrabi und Co. wachsen hier in namhaften Beeten. Doch auch der außergewöhnliche Gartenpavillon ist ein echter Blickfang, es gibt einen selbst gebauten Lehmofen, sogar ein Kochbuch ist aus dem Gemeinschaftsprojekt schon hervorgegangen. Das mehr als 1000 Quadratmeter große Areal am Leonardo-Campus sei „ein kleiner Mikrokosmos“, sagt Daniel Rütten, der sich seit 2015 im GrüneBeete e.V. als Träger des Gartens engagiert. „Eine Idee, wie man einen öffentlichen Raum gestalten kann.“ Dazu gehört auch, dass jeder mitmachen darf – vom Kleinkind bis zum Rentner.

Entstanden ist der Gemeinschaftsgarten schon 2012 innerhalb eines Projektmoduls im Rahmen des Masters Nachhaltige Dienstleistungs- und Ernährungswissenschaft an der Fachhochschule Münster. „Die Grundidee am Anfang war es, einen Lernort zu schaffen“, erzählt Daniel. „Man soll hier mitbekommen, wie Gemüse wächst und was es bedeutet, einfache ökologische Prinzipien wie eine Fruchtfolge einzuhalten.“ Doch längst steckt mehr dahinter: Der Garten ist zu einem Erlebnis- und Rückzugsort geworden, einem Ort der Begegnung, einer Plattform für Kreativität.

Campusgarten GrüneBeete Foto: Moritz Schäfer

Im Vordergrund steht das Ziel, urbane ökologische Landwirtschaft in vielfältiger Form umzusetzen. So gedeihen in den ausrangierten Bäckerkisten, die die Gründerinnen Nicole Rogge und Anna Rechenberger damals bepflanzt haben, noch immer allerlei Kräuter. Die mit lustigen Namen bepinselten Hochbeete aus alten Paletten teilen sich – nach dem Prinzip der Mischkultur – Kohlrabi und Kopfsalat, Möhren und Radieschen. Am Eingang stehen inzwischen Blumenbeete und Stauden, eine Kiwi wächst am Gartenpavillon hoch, Himbeeren ranken in geraden Reihen. Ganz hinten warten die Kompostbeete auf ihren Einsatz, auch ein paar junge Obstbäume müssen noch wachsen, die neue Kräuterspirale soll sich nach einem misslungenen Versuch nun in diesem Jahr bewähren.

Foto: Mona Contzen
Die angehenden Lehrer Julia Reichelt und Daniel Rütten gärtnern aus Leidenschaft.
Foto: GrüneBeete e.V.
Das Gewächshaus haben Architektur­-Studierende entworfen.

„Irgendwas wächst immer. Da muss man entspannt bleiben“, meint Julia Reichelt und lacht. Die 24-Jährige studiert Englisch und Biologie auf Lehramt und ist seit dieser Saison dabei, weil die Kapazitäten auf dem eigenen Balkon irgendwann ausgeschöpft waren. Trotzdem hat die angehende Lehrerin schon Pläne, will vor allem Flächen für Insekten erschließen. Das Ausprobieren gehört dazu, denn niemand im Campusgarten ist ein Profi. Die aktuellen Gärtner*innen sind Studierende verschiedener Fachbereiche, Berufstätige und – seit dem Start der Kooperation mit der Kita Chamäleon vor vier Jahren – auch Kinder. „Das Wissen steckt in der Gemeinschaft und wird von Saison zu Saison weitergegeben“, sagt Daniel, der schon als Kind seinen Großeltern beim Gemüseanbau geholfen hat. Etwa sieben Engagierte bilden im Campusgarten GrüneBeete den festen Kern, vor der Pan- demie waren es doppelt so viele, zusätzlich schauten ein paar Dutzend Gartenfreunde zumindest gelegentlich vorbei. Die Fotos von den Sommerfeten zeigen Kleinkinder auf Slacklines, Erwachsene beim Schaukeln, lachende Gesichter an der Feuerstelle, umgeben von dichtem Grün. „Aber während der Pandemie hat das Soziale einfach gefehlt“, meint der 27-jährige Daniel und hofft auf wieder wachsendes Interesse. Schließlich lebt der Garten vom Miteinander: Niemand hat hier ein eigenes Beet, alle kümmern sich um alles, am liebsten wird nach der Ernte auch gleich zusammen gekocht.

Foto: GrüneBeete e.V.
Die Campusgärtner*innen treffen sich zu festen Zeiten zum Jäten, Pflanzen, Gießen – oder um die neue Kräuter­spirale anzulegen.

Das soziale Konstrukt ist einer der Grundgedanken des Phänomens Urban Gardening, das schon seit den neunziger Jahren aus Kalifornien heraus die Welt und inzwischen auch in Münster viele Flächen erobert hat – von Nachbarschaftsgärten wie dem Bürgergarten BlattBeton über die Miet-Gärten Junges Gemüse oder Erntezeit bis hin zu Schul- und pädagogischen Lehrgärten. Darüber hinaus seien urbane Gemeinschaftsgärten „wichtige Bausteine zur Erreichung der Ziele der Nachhaltigkeitsstrategie Münster 2030“, wie das Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit in einer Broschüre zum Thema betont. Sie stärken das Bewusstsein für saisonale Ernährung, tragen zur biologischen Vielfalt bei und haben eine hohe ökologische und klimatische Bedeutung. Im Jahr 2018 gehörte der Campusgarten GrüneBeete sogar zu den Gewinnern des Umweltpreises, den die Stadt alle zwei Jahre vergibt.

„Bei uns sind viele Leute dabei, denen Nachhaltigkeit wichtig ist“, weiß auch Daniel Rütten, der Philosophie und Sozialwissenschaften auf Lehramt studiert. „Wir haben hier ein kleines Gegenbeispiel, wie Stadtentwicklung aussehen kann.“ Dabei profitiert der Campusgarten im Umfeld der FH, die das Projekt mit einem kleinen Budget für Bauprojekte und Gartenwerkzeuge finanziert, vor allem von den unterschiedlichen Kompetenzen, die hier zusammenkommen – und die Studierenden profitieren vom Garten vor ihrer Haustür. So können vor Ort Projektarbeiten im Fachbereich Oecotrophologie umgesetzt werden, während sich die angehenden Architekten als Gestalter austoben dürfen.

Foto: GrüneBeete e.V.
Gemeinsam Arbeiten, zusammen feiern und kochen: Das soziale Miteinander ist einer der Grundgedanken des Phänomens Urban Gardening.

Die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit können sich sehen lassen: Unter anderem siedelten die Ernährungswissenschaftler*innen ein eigenes Bienenvolk im Garten an, das Kochbuch Lecker Quer Beet fasst Gartentipps und typische GrüneBeete-Rezepte zusammen, im Rahmen des Projekts Oxford-Beete gärtnerten Oecotrophologie-Studierende und Campusgärtner gemeinsam mit Geflüchteten. Gleichzeitig nahm der Campusgarten immer mehr Gestalt an. „Eigentlich wollten wir ja einen Unterstand für unsere Feldküche“, erzählt Daniel und schmunzelt. Die Architektur-Studierenden entwarfen lieber einen Gartenpavillon aus Naturmaterialien, der jetzt das Zentrum des Gartens bildet. Auch das Konzept für das Gewächshaus mit den aufklappbaren Seitenwänden, in dem Tomaten, Paprika, Chili und Gurken wohlig warm wachsen, ist in dem am Leonardo-Campus angesiedelten Fachbereich entstanden. Den Lehmofen für extra knusprige Pizza hat Daniel dagegen selbst gebaut.

Der Kreativität sind im Campusgarten jedenfalls keine Grenzen gesetzt. Ob Gärtner, Handwerker, Architekt oder Imker (die Honigbienen sind gerade ausgezogen) – jeder, der mit anpacken möchte, ist hier willkommen. „Für die Arbeit haben wir feste Gartenzeiten, aber man darf sich auch sonst einfach hinsetzen und den Garten genießen“, sagt Daniel und schnappt sich den Spaten.

Alle Infos zum Campusgarten finden Sie unter campusgarten.wordpress.com

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