Foto: Nora Klein

Events

mal gut, mehr schlecht.

„Du sitzt in deiner Wohnung, siehst die Dinge um dich herum, dann wird das Licht immer weiter heruntergedimmt, du siehst immer weniger, bis nichts mehr da ist: So ist die Depression.“ Eine wachsende Anzahl von Menschen leidet unter der psychischen Erkrankung. Laut Deutschland-Barometer Depression 2021 der Stiftung Deutsche Depressionshilfe ist jeder fünfte Beschäftigte an Depression erkrankt, die Auswirkungen der Pandemie haben die Situation nochmals verschärft. Die unterschiedlich stark ausgeprägten Symptome bleiben für die Umwelt nicht selten schwer begreifbar und rätselhaft.

Das ist nicht erst heute so. Depressionen gab es schon immer. Aber jetzt wird endlich darüber gesprochen. Der Diagnose haftet nun kein Stirnrunzeln mehr an, sondern das Wissen: Das gibt’s. Und wir möchten, ja müssen mehr darüber erfahren. Um zu verstehen. Um einzuordnen. Anzunehmen.

Die Fotografin Nora Klein fasziniert es, das kaum thematisierte, gesellschaftlich Versteckte, Abstrakte, Unaussprechliche und vermeintlich Schwere der Volkskrankheit Depression sichtbar zu machen. In ihrem fotografischen Langzeitprojekt "Mal gut, mehr schlecht." gelang es der Dokumentarfotografin, durch eine sensible Herangehensweise und den nahen Kontakt zu ihren Protagonisten – eineinhalb Jahre stand sie im vertrauensvollen Austausch mit Betroffenen – eine visuelle Ausdrucksform für die Gefühlswelt depressiver Menschen zu finden und eine unsichtbare Krankheit greifbar zu machen.

Nora Klein hat dabei eine Ausdrucksform gefunden, die jenseits der Worte vermittelt, wie depressive Menschen die Krankheit erleben. Entstanden sind sensible Porträts wie auch abstrakte Bildwelten, die mit ihrer unmittelbaren und eindringlichen Qualität Einsichten in die Innenwelten der Depression geben.

Foto: Nora Klein

DIE FOTOGRAFIN

Nach diversen Auslandsaufenthalten in Neuseeland, Australien und Südostasien studierte Nora Klein (geboren 1984) Fotojournalismus und Dokumentarfotografie an der Hochschule Hannover und der Danish School of Media and Journalism in Aarhus. Dabei entwickelte sie ihren eigenen Stil. Essayistische Langzeitprojekte, Portraits und Reportagen umkreisen vorwiegend persönliche Gesellschaftssujets. Sensibel und doch auf den Grund gehend, nähert sie sich oft „schweren“ Themen. Der zu den Bildern der Ausstellung gehörende Bildband "Mal gut, mehr schlecht." wurde von der Stiftung Buchkunst für die Auszeichnung der Schönsten Deutschen Bücher 2017 nominiert.

Foto: Astis Krause

DIE FRIEDRICH-HUNDT-GESELLSCHAFT

Die Friedrich-Hundt-Gesellschaft (FHG) wurde 1991 mit dem Ziel gegründet, der künstlerischen Fotografie in Münster ein Forum zu bieten und ihr als Teil der Bildenden Kunst größere Aufmerksamkeit und Anerkennung zu verschaffen. Seit 1992 wurden im Stadtmuseum Münster, dem Kooperationspartner der FHG, mehr als 75 Fotoausstellungen gezeigt. Die FHG hat sich zum Ziel gesetzt, auf drei verschiedenen Ebenen Fotografie durch Ausstellungen zu fördern: mit jungen Nachwuchstalenten, mit Künstlerinnen und Künstlern aus der Region sowie mit bedeutenden Fotografenpersönlichkeiten.

DIE AUSSTELLUNG

Mit "Mal gut, mehr schlecht." möchte die Friedrich-Hundt-Gesellschaft gerade in diesen Zeiten die Aufmerksamkeit sowohl auf die Volkskrankrankheit Depression als auch auf die künstlerische Auseinandersetzung damit lenken. Dies geschieht im Nachgang zum 30. Bestehen der Gesellschaft, die 2021 aufgrund der Pandemie nicht wie geplant ihr Ausstellungsprogramm verwirklichen konnte. 2021 verstarb nach schwerer Krankheit der Mitbegründer und langjährige Vorsitzende der FHG Berthold Socha. Spenden im Gedenken an die Verdienste von Socha sind in die Realisierung dieser großen Ausstellung eingeflossen. 

Foto: Nora Klein
Foto: Nora Klein

Die Arbeiten des Projektes "Mal gut, mehr schlecht." waren bereits im In- und Ausland in mehreren Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen und wurden unter anderem in der "Süddeutschen Zeitung", der "taz", in "titel thesen temperamente", im "Deutschlandfunk Kultur" und "kulturradio rbb" besprochen. Für die Präsentation im Stadtmuseum wurde die Ausstellung, die Nora Klein gemeinsam mit dem Kunsthaus Erfurt konzipiert hat, stark erweitert. Die Präsentation integriert neben den gerahmten Fotografien im Format 80 x 60 cm und zwei meterhohen Wandplots auch wandhoch vergrößerte Materialien von depressionerfahrenen Menschen in einem eigenen Raum. Eine besondere Bedeutung kommt der Farbgebung, insbesondere den Hell-Dunkel-Kontrasten zu. Die Betrachterinnen und Betrachter sollen beim Gang durch die Ausstellung die Gemütsverfassungen von Depressionserkrankten ansatzweise nachvollziehen können.

DAS BUCHPROJEKT

Der renommierte Fachverlag für Kunst, Architektur und Fotografie Hatje Cantz hat das anspruchsvolle Fotoprojekt publiziert. Der umfangreiche Begleitband kann nur im Museumsshop erworben werden.

friedrich-hundt-gesellschaft.de

stadt-muenster.de/museum

×

Jetzt Newsletter abonnieren

Münster-Inspirationen, Gastro-Tipps, Shopping-Spots und Event-Highlights – einmal im Monat direkt im Postfach.

Vielen Dank! Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt. Bitte bestätigen Sie dort Ihr Abo.

Ich melde mich zum Münster! Inside Newsletter an. (Einwilligung jederzeit widerruflich).

Datenschutzerklärung

×

Share

Link kopieren