Belegte Brötchen von Wolle und Moritz Belegte Brötchen von Wolle und Moritz
Foto: Peter Leßmann

Draußen

Wolle und Moritz

Eigentlich hat Wolle mit Wolle angefangen. Der studierte Lehrer hatte den Trend zum Selberstricken in den Siebzigerjahren früh erkannt und verkaufte auf dem Wochenmarkt bunt gefärbte griechische Schafwolle in Strängen zum Auswiegen und Selberwickeln. Sehr erfolgreich. Ein dreistöckiges Warenlager wuchs im Hintergrund an, die Ware wurde sehr gut abgefragt, der Höhepunkt des Booms war wohl 1985. Auch dass das Selberstricken durch das Aufploppen von H&M und anderen Textilketten, die plötzlich maschinell gestrickte Ware zu Niedrigpreisen anboten, abebbte, erkannte Wolfgang Hesse früh. Am Rande einer Wollmesse in Florenz entdeckte er Anfang der Neunzigerjahre, dass die Italiener ihren Kaffee mit aufgeschäumter Milch trinken. Köstlich! Cappuccino. Den gab es in Münster damals noch nicht! Wenn überhaupt, wurde dieser mit Sahne angeboten. Aber italienischer Cappuccino auf Münsters Markt – das war eine Idee, die der westfälisch aufgestellte Marktmeister zunächst mit Stirnrunzeln bewilligte: „Fang Du damit erstmal ganz klein an“, befand er – Wolles Idee vom großen Stand an zentraler Stelle musste warten. „Kaffee und Feinkost“ lautete das Geschäftskonzept, das mit den ersten paar Tässchen 1992 begann und heute eine große Sache ist. Der Standort in der Domnische war übrigens mit einer besonderen Nachbarschaft verbunden: Zum Kaffeestand gehörte das Vertrauen des Domrentmeisters und ein eigener Schlüssel zur Kraftstrom-Steckdose im Dom. Ein Segen im doppelten Sinne.

Wolle Foto: Anna Roters
Wolle
Moritz Foto: Anna Roters
Moritz

Hieß es bis vor einiger Zeit noch „Wir treffen uns bei Wolle!“, so hat inzwischen eine Veränderung stattgefunden. „Bei Wolle und Moritz“ sind inzwischen die Kaffeespezialitäten, die leckeren Brötchen, der frisch gepresste Saft und die ausgesuchte Feinkost zu genießen. Denn Wolles Sohn Moritz, der als Koten schon im Wolllager spielte, ist inzwischen die zweite Generation an der Siebträgermaschine. Vor ein paar Jahren fragte Wolle ihn, ob er ins Familienunternehmen einsteigen möchte. Der gelernte Veranstaltungstechniker, der lange die bekannte Storno-Truppe auf ihren Touren begleitete, musste schon ein wenig darüber nachdenken. Er gönnte sich eine Zeit lang „Probearbeiten“ an Wolles Seite und ist seit 2014 als Vollblut- Marktbeschicker mit übergroßer Münsterliebe und professioneller Expertise dabei. Wolle und Moritz. Vater und Sohn. Kaffee und Feinkost. Ein Konzept, das sich weiterentwickelt hat und doch ganz das alte ist.

Stammkundin von Wolle und Moritz Foto: Peter Leßmann
Stammgäste wie Anne Hallermann lieben die Qualität und die Atmosphäre bei Wolle und Moritz.
Stempelkarte Wolle und Moritz Foto: Peter Leßmann
Die „Kaffeekarte“ hat so mancher Münsteraner im Portemonnaie.

Um kurz vor vier in der Früh fängt mittwochs und samstags der Arbeitstag an. Aus dem Lager auf dem Hof lütke Jüdefeld an der Gasselstiege wird der Hänger geholt, der auf dem Wochenmarkt als Kaffeestand dient. Eineinhalb Stunden Aufbau müssen Aufbauhelfer Mohamed und Stefan schon einplanen, gegen sechs Uhr rauscht dann der erste Espresso durch den Siebträger. Viele Male, bis um 14.30 Uhr das Licht ausgeht. Und auch dann sind es noch jede Menge Handgriffe bis zum Feierabend. Da sind zum Beispiel die zwei Spülheldinnen, die (wieder im Lager auf dem Hof in Münsters Norden) bis zu vier Stunden lang die Industriespülmaschine bedienen, bis alle Tassen wieder sauber sind. Apropos sauber: Nach jedem Markttag wird der komplette Hänger ausgeräumt und pingeligst gereinigt und desinfiziert. Auflagen, die auf-, aber auch notwendig sind. Das Wasser hierfür und auch das für die Tanks im Wagen, die die Kaffeemaschinen bestücken, ist übrigens bestes Brunnenwasser, das hierfür aufbereitet wird. Wolle und Moritz sind umweltfreundlich unterwegs. Darum kostet ein To-go-Kaffee bei ihnen „als Strafe“ auch mehr als der aus der Tasse am Stand getrunkene: „Bleib doch, genieß Deinen Cappu bei uns“, lächeln sie und suchen das Gespräch über die Ökobilanz der Einwegbecher. Apropos öko: So ist auch der Strom hier, natürlich.

Belegtes Ei-Brötchen von Wolle und Moritz Foto: Peter Leßmann
Mit Liebe belegt. Und mit ausgesuchter Feinkost. Das Frühstück hier ist legendär und auch für viele Marktkollegen ein festes Ritual.
Frischgepresster Orangensaft Foto: Peter Leßmann
„Vollblut-Marktbeschicker,  ja, das sind wir wohl!“ Wolle und Moritz Hesse

Die Stammgäste lieben es, dass sie meist beide, Wolle und Moritz, am Stand antreffen. Und natürlich Teresa, die hingebungsvoll den exzellenten Serranoschinken und die Fenchelsalami, die ihresgleichen sucht, schneidet und damit unter anderem die leckeren Backwaren von Tollkötter, Cibaria, Uekoetter und Nieß belegt. Man munkelt, dass für manchen Gast hier der Kaffee nur eine Begleitmusik zu den wirklich besonderen belegten Brötchen und Stullen ist. Andere kommen vor allem, um die Feinkost für zuhause zu bevorraten. Und egal, ob es Käse, Cappuccino oder Kommunikation sein darf: Das Markterlebnis ist einzigartig.

Kaffee bei Wolle und Moritz Foto: Peter Leßmann

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